Neues vom iPhone : Vom Recht am eigenen App

Das Knacken des iPhone ist in den USA jetzt legal. Mehr Möglichkeiten bedeuten aber auch - mehr Gefahren

von

Die Meldung hat in dieser Woche Handy-Nutzer und iPhone-Fans überrascht: In den USA gibt es jetzt eine klare Entscheidung, die es erlaubt, das iPhone zu knacken. iPhone-Besitzer in den USA dürfen das System des Smartphones aushebeln, um Programme außerhalb der Apple-Welt zu nutzen. Das entschied der für Urheberrechtsfragen zuständige Leiter der US-Kongressbibliothek. Ein sogenannter „Jailbreak“ verändere demnach die Integrität des Apple-Betriebssystems für das iPhone nur zu einem geringen Bruchteil. Der Kongressbibliothekar überwacht die Zulässigkeit der scharfen Urheberrechtsgesetze in den USA und kann Ausnahmen festlegen. Mit dieser Entscheidung müssen Nutzer, die ihr Handy geknackt haben, keine Sorge mehr haben, von Apple deswegen belangt zu werden. Wohl aber laufen sie Gefahr, ihre Gerätegarantie zu verlieren. Und andere Smartphone-Nutzer fragen sich, was denn mit ihrer Handy-Software so alles anzustellen ist.

Was bedeutet die Entscheidung für Apple und seinen „App Store“?

Für Apple ist das nach Brancheneinschätzung durchaus eine kleine Schlappe, weil das Unternehmen dadurch die volle Kontrolle über die Apps verliert, also die Anwendungen fürs iPhone und andere Apple-Geräte, die einen guten Teil des Erfolgs ausmachen. „c’t“-Redakteur Andreas Beier glaubt, dass sich aus Sicht der Nutzer zunächst nicht so viel an der bunten Welt der Apps und ihrer Verfügbarkeit ändern wird. Das Jailbreaking werde wohl nicht nennenswert zunehmen. „Die Probleme, die man sich eventuell einhandelt, wiegen für die allermeisten Anwender die Vorteile nicht auf.“ Jailbreaking sei nur etwas für Anwender, die ein iPhone wie einen „großen“ Computer benutzen wollen. „Man gibt damit ein gutes Stück Sicherheit auf und verzichtet auf einfache System-Updates.“ Wer das iPhone „bestimmungsgemäß“ als Smartphone einsetzen wolle, finde im App Store mehr Software, als er je ausprobieren kann oder will.

Sind deutsche iPhones auch zu knacken?

Die Düsseldorfer Fachanwältin Eva Dzepina begrüßte, „dass es anders als in Deutschland nun eine klare Aussage zu diesem Thema gibt“. In beiden Ländern sei die Integrität von Software urheberrechtlich geschützt. Für die strafrechtliche Beurteilung sei wesentlich, in welchem Ausmaß ein Eingriff erfolge. Strafrechtlich sei ein „Jailbreak“ nicht relevant, wenn dies ausschließlich zum eigenen privaten Gebrauch stattfindet. Mit Blick auf die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) von Apple, die jeden Eingriff in die Software untersagen, gehe das Urheberrecht in Deutschland den vertraglichen Bestimmungen von Apple vor. „Ich vermute, wenn Sie zehn Juristen fragen, kriegen Sie elf Meinungen dazu“, sagt dazu Andreas Beier von „c’t“. Seiner Einschätzung nach könne Apple in Deutschland das Jailbreaking nicht verbieten, aber möglicherweise Gewährleistungsansprüche verweigern.

Apps nur von Apple – warum eigentlich?

Ohne einen „Jailbreak“ können die Nutzer nur solche Apps auf ihr Handy laden, die Apple vorher genehmigt hat und in seinem App Store anbietet. Stichwort: Das eigene App. Immer wieder werden Fälle bekannt, bei denen Apple von Entwicklern eingereichte Apps nicht zulässt. Mit dem Knacken des iPhone umgehen die Nutzer die Sperre. Schätzungen gehen davon aus, dass etwa jedes zehnte Apple-Handy „befreit“ ist. Apple hat es allerdings unterlassen, die Besitzer zu belangen. „Die große Mehrheit der Nutzer hat ihr iPhone nicht geknackt, weil dies die Garantie gefährdet und das iPhone instabil und unzuverlässig machen kann“, sagte eine Sprecherin. Dass Apples App-Prüfung aber keinen absoluten Schutz bietet, hatten mehrere Vorkommnisse in der jüngeren Vergangenheit gezeigt. Erst am Montag wurde öffentlich, dass die Citigroup ihre iPhone-App wegen eines Sicherheitslecks aus dem Verkehr ziehen muss. Das Programm speichert persönliche Daten wie die Kontonummer oder Passwörter auf dem Handy. Zu einem Missbrauch ist es nach Angaben der Bank aber nicht gekommen.

APPLE INC.]Handys – und Eingriffe von außen

„Andere Smartphones sind meines Wissens nicht so abgeschottet wie das iPhone, knacken ist deshalb nicht nötig“, sagt der „c’t“-Experte. Jedoch: Was Programmentwicklern recht ist, könnten auch Virenverbreiter nutzen. Immer wieder ist vom Handy-Virus die Rede, von Würmern, die bei modernen Mobiltelefonen vor allem Bluetooth-Verbindungen oder MMS-Nachrichten nutzen, um sich zu verbreiten. Generell, so Beier, sei es wichtig, nur Software aus vertrauenswürdigen Quellen einzusetzen, wie Apples App Store. Dieses Vorgehen garantiert keine 100-prozentige Sicherheit vor böser Software, wenn man aber auf einem Gerät mit Jailbreak aus allen möglichen Quellen etwas installiert, ist die Unsicherheit größer.Markus Ehrenberg

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben