Neues Zuschauerbild : RTL schwächt Diskriminierung beim Alter ab

Der Kölner Privatsender definiert seine Zielgruppe um: Zuschauer dürfen jetzt 14 bis 59 Jahre alt sein.

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Älter werden ist nichts für Feiglinge. Diese Erkenntnis gilt auch für Fernsehsender, insbesondere für die kommerziellen. Die RTL Group stellt sich der Tatsache, dass die bisher geheiligte Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen mittlerweile weniger als die Hälfte der deutschen Bevölkerung ausmacht. Die Sendergruppe reagiert und erweitert vom 1. März an ihr Zuschauerbild um zehn Jahre: RTL-Seher dürfen jetzt zwischen 14 und 59 Jahre alt sein. Sprecher Christian Körner sagte der dpa: „Die Währung der Zielgruppe macht nur Sinn, wenn sie auch den größeren Teil der TV-Zuschauer abbildet.“ Das sei durch das Abschneiden bei 49 Jahren nicht mehr der Fall. „Deshalb öffnen wir um zehn Jahre nach oben.“
Die sich wandelnde Demografie ist gepaart mit der hohen Kaufkraft der 50- bis 65-Jährigen, beide Faktoren sind für das werbefinanzierte Sysem entscheidend. Die TV-Branche erlöst jährlich rund vier Milliarden Euro netto aus der Werbung. Davon zieht das private Free-TV den Gutteil auf sich.
RTL will mit seinem veränderten Zielgruppendenken nicht auch sein Programm ändern. Das ändert sich unterschwellig von selbst, wenn das Alter der „Sendergesichter“ berücksichtigt wird: Günther Jauch ist 56, „Extra“-Moderatorin Brigit Schrowange 54 und damit so alt wie Anchorman Peter Kloeppel, die „Exclusiv“-Frontfrau Frauke Ludowig wird nächstes Jahr 50, Dieter Bohlen ist 59 geworden. Sie alle sind älter als der Durchschnitt des RTL-Publikums mit 47 Jahren.
Der schärfste RTL-Konkurrent, ProSiebenSat1, hält am Grundsatz „14 bis 49“ fest. Allerdings versucht die Gruppe, über eine erweiterte Programmspreizung neue Zuschauer für die Werbeinseln zu gewinnen. So zielt ProSieben Maxx mit Sendestart im Oktober auf Männer zwischen 40 und 59 Jahren, daneben sind ein Kindersender und ein Luxus-Lifestyle-Kanal im Free-TV geplant. Alter schützt vor Werbung nicht. Joachim Huber

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