Neuköllner Modell : „Das Ende der Geduld“ in den sozialen Netzwerken

„Harter Tobak“, „Mutiger Film“, „Schwer auszuhalten“: Das ARD-Drama „Das Ende der Geduld“ mit Martina Gedeck hat auch im Netz Spuren hinterlassen.

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„Fantastisch“: Martina Gedeck bekam viel Lob für ihre Rolle als Richterin.
„Fantastisch“: Martina Gedeck bekam viel Lob für ihre Rolle als Richterin.Foto: BR

Der Film, der im Rahmen der Themenwoche Toleranz gezeigt wurde, wurde rege in den sozialen Netzwerken Facebook und Twitter diskutiert. Ganz offensichtlich habe man mit den Themen Jugendgewalt und Straffälligkeit ausländischer Jugendlicher „den Nerv der Öffentlichkeit getroffen“, sagte Volker Herres, Programmdirektor des Ersten Deutschen Fernsehens.

Der Film „Das Ende der Geduld“ war eng angelehnt an die Geschichte der Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig, die das „Neuköllner Modell“ für Jugendstrafrecht initiiert hatte. Heisig hatte sich 2010 aufgrund von Depressionen das Leben genommen. Im Film trug sie das Pseudonym Corinna Kleist, gespielt von Martina Gedeck.

Die Schauspielerin erntete für ihre Interpretation viel Lob. Die meisten Twitter-Nutzer bezeichneten ihr Spiel als „großartig“, „fantastisch“, „außergewöhnlich“ oder adelten Gedeck kurzerhand zur „besten deutschen Schauspielerin“. Es dürfte auch an der Zugkraft ihres Namens gelegen haben, dass 4,79 Millionen Zuschauer den Film einschalteten – nur „Aktenzeichen XY“ lag im Quotenvergleich knapp darüber.

„Multikulti ist leider gescheitert.“

Abgesehen von Gedecks schauspielerischer Leistung stand besonders das Filmthema selbst im Fokus. So schrieb bei Twitter Nutzerin „Alena H“: „Das beschäftigt! Guter Film, der nicht loslässt.“ Nutzer „itsjean“ hinterließ: „Da wird einem das Versagen der deutschen Politik mal wieder schmerzlich bewusst.“ Timo Lumb meinte: „Beeindruckender Film, der unsere Gesellschaft zu mehr Klartext animieren sollte.“

„Pio Pio“ kommentierte auf der Facebook-Seite von ard.de: „Der Film lässt mich sprachlos zurück.“ An derselben Stelle notierte ein weiterer Nutzer: „Multikulti ist leider gescheitert.“ Insgesamt mehrten sich bei Facebook und Twitter Stimmen, die der deutschen Gesellschaft übertriebene Toleranz vorwerfen. Oft wurde argumentiert, Zuwanderer hätten eine erhöhte Straffälligkeit und würden den Sozialstaat missbrauchen. So schrieb etwa der Nutzer „Politkritiker“ auf Twitter: „Ausländer, die in Deutschland straffällig werden, sollten sofort ausgewiesen werden!“ Und Nutzerin „lk ivy“ erinnerte sich: „Manches kommt mir tatsächlich – unabhängig von der Nationalität – von der Zeit beim Strafgericht bekannt vor.“

Von der regen Social-Media-Diskussion profitierte auch Anne Will, die im Anschluss in ihrer gleichnamigen Talkshow das Thema Jugendgewalt erneut diskutierte. 3,58 Millionen Zuschauer schalteten ein.

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