Neustart : „Die FDP braucht jede Unterstützung“

Ex-Verlagschef Bernd Buchholz will sich 2013 in den Bundestag wählen lassen. Von dieser Idee sind in seiner Partei allerdings nicht alle Mitglieder begeistert. Einen prominenten Unterstützer hat Buchholz jedoch bereits gefunden.

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Von der Verlagsbranche hat Bernd Buchholz erst einmal die Nase voll. Anfang September wurde er als Vorstandsvorsitzender bei Gruner + Jahr („Brigitte“, „Stern“) abgelöst. Statt zur Konkurrenz zu wechseln, will er die politische Bühne betreten und 2013 für die FDP in den Bundestag einziehen. „Die FDP kann derzeit jede Form der Unterstützung gebrauchen. Und ich bin durch und durch ein Liberaler“, sagte der 51-jährige Ahrensburger. Am 16. März will er beim Parteitag des FDP-Landesverbandes Schleswig-Holstein für einen Listenplatz kandidieren.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Buchholz politisch engagiert. Vor knapp 20 Jahren saß er als Abgeordneter der FDP im Kieler Landtag und war unter anderem Mitglied im „Schubladen-Untersuchungsausschuss“ zur Barschel-Affäre. „Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, um wieder in die Politik zurückzukehren. Denn nach fast 17 Jahren bei Gruner + Jahr ist es schwer vorstellbar, mich quasi auf der anderen Straßenseite zu engagieren. Da ziehe ich lieber einen klaren Schnitt.“ Seine politischen Schwerpunkte sieht der promovierte Jurist in der Innen- und Rechtspolitik, durch seine Erfahrung im Verlag auch in der Wirtschaftspolitik. In seinem Kreisverband Stormarn will er sich wieder stärker engagieren. Neben seiner Kandidatur kann er sich vorstellen, sich als Anwalt niederzulassen.

In seinem Kreisverband Stormarn war Buchholz zuletzt jedoch weniger aktiv. Einige Mitglieder des Landesverbands sind über Buchholz’ Kandidatur deshalb auch nicht gerade begeistert – zumal er einen sicheren Listenplatz zwei anstreben dürfte. Angesichts der schlechten Umfragewerte für die FDP bleibt da neben dem Kieler Fraktionschef Wolfgang Kubicki wenig Platz für andere Kandidaten. „Natürlich ist mir klar, dass das kein Durchmarsch wird. Aber ich hoffe, dass meine Kandidatur positiv aufgenommen wird“, sagte Buchholz. Kubickis Unterstützung ist ihm zumindest sicher: „Ich freue mich sehr über die Absicht Bernd Buchholz‘, sich politisch wieder mehr zu engagieren. Seine Kandidatur wäre in jeder Hinsicht eine Bereicherung für die FDP, für das Land Schleswig-Holstein und die Politik insgesamt.“ Ob dies die anderen FDP-Politiker des Verbands auch so sehen, wird sich spätestens im März zeigen.

Buchholz ist freilich nicht der erste, der aus der Medienbranche in die Politik wechselt: "Spiegel"-Gründer Rudolf Augstein saß für die FDP im Bundestag, "Zeit"-Herausgeber und "Cicero"-Chefredakteur Michael Naumann war unter Bundeskanzler Gerhard Schröder Staatsminister für Kultur und Medien und wollten sich 2008 für die SPD zum Hamburger Bürgermeister wählen lassen. ZDF-Moderator Steffen Seibert ist derzeit Regierungssprecher, und "Zeit"-Redakteurin Susanne Gaschke will für die SPD Oberbürgermeisterin in Kiel werden.

Sonja Pohlmann

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