Nicht mehr in diesem Jahr? : Regulärer Start von Google Glass ungewiss

Ladenhüter statt Prestigeobjekt? Die Testversion von Google Glass leidet bei Ebay unter Preisverfall. Wann das Explorer-Programm nach Deutschland kommt, ist weiterhin offen.

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Google-Gründer Sergej Brin mit der Datenbrille Glass.
Google-Gründer Sergej Brin mit der Datenbrille Glass.Foto: AFP

Das Gebot lief bei Ebay zu dem Zeitpunkt, als dieser Beitrag geschrieben wurde, noch einen Tag und zwei Stunden. Für 341 Euro wurde Googles Datenbrille Glass in der Ausführung Titanium Split nach dem Auktionsprinzip angeboten. Auch zum Festpreis gab es Google Glass bei Ebay. Zwei Angebote fanden sich am Dienstag für 1600 beziehungsweise 1650 Euro. Welch ein Preisverfall. Noch im Sommer musste man für das Privileg, als einer der wenigen Menschen in Deutschland mit einer Datenbrille von Google durch die Gegend laufen zu können, 3000 Euro und mehr hinblättern. Doch Googles Vorzeigeprojekt ist Medienberichten zufolge ins Stocken geraten. Die Agentur Reuters berichtet nun, dass der reguläre Verkaufsstart ein weiteres Mal verschoben werden muss.

Als ersten Verkaufstermin hatte Google das Frühjahr 2013 anvisiert, dann jedoch den Start um ein Jahr auf 2014 verschoben. Einem Insider zufolge werde es dazu wohl nun erst im Verlauf des nächsten Jahres kommen. Bislang gibt es das Explorer-Testprogramm nur in den USA und in Großbritannien. Offiziell heißt es, es habe nie feste Termine gegeben. So sei auch weiterhin völlig offen, ob und wann das Explorer-Programm in Deutschland startet, sagte Sprecher Kay Oberbeck dem Tagesspiegel. Das Interesse von Google an dem Produkt sei weiterhin hoch, mehrere hundert Entwickler arbeiteten unter Führung von Firmengründer Sergey Brin an den Brillen.
Für die Fertigstellung ist es allerdings wenig hilfreich, dass dem Unternehmen mit dem leitenden Entwickler Babak Parviz und dem leitenden Techniker Adrian Wong zwei wichtige Köpfe abhanden gekommen sind. Und auch bei den externen Entwicklern von Apps für Google Glass gibt es Abgänge. Von den 16 Unternehmen, mit denen Reuters gesprochen hat, haben neun die Arbeiten an ihren Glass-Projekten eingestellt.

Dabei war die Begeisterung für die Möglichkeiten von Google Glass zunächst gewaltig. Die Entwickler träumten bereits von einem komplett anderen Umgang mit Computern. Die Vorteile in einigen Arbeitsbereichen wie bei Servicetechnikern oder auch in der Medizin wirkten zudem augenscheinlich. Ganz vorbei ist die Euphorie noch immer nicht: Der Autobauer BMW testet in seinem Werk im US-Bundesstaat South Carolina, ob das Gerät die Qualitätssicherung verbessern kann.

Die Kritik an Google Glass macht sich an der Kamera fest

Die Brille besteht aus einem hoch miniaturisiertem Computer, der über Funk mit einem Smartphone verbunden wird, das für die Internet-Anbindung sorgt. Die Bedienung erfolgt über Spracherkennung, Augensteuerung oder Kopfbewegungen. Informationen werden über ein Glasprisma direkt vor dem Auge des Nutzers und über einen Lautsprecher ausgegeben, der die Schallwellen direkt auf den Knochen überträgt. Zudem verfügt Google Glass über eine nach vorne gerichtete Kamera – und an dieser macht sich die vielerorts vorhandene Ablehnung des Produktes fest.
Vor allem der Umstand, dass man mit der Kamera nahezu unbemerkt Fotos schießen oder eine Videoaufnahme starten und ins Internet übertragen kann, erregt das Misstrauen vieler Menschen und hat bereits vor der Markteinführung zu heftigen Protesten von Datenschützern geführt. Thilo Weichert, der Leiter des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz Schleswig-Holstein, hält wenig von der neuen Technik. „Google Glass ist in der Öffentlichkeit weder mit dem deutschen noch mit dem europäischen Datenschutzgesetz in Einklang zu bringen“, hatte der Datenschützer dem Tagesspiegel gesagt.
In den USA, wo Entwickler, Tester oder andere Interessierte Google Glass seit dem Frühjahr für 1500 Dollar ausprobieren können, sind die Datenbrillen an vielen öffentlichen Orten wie Kinos oder Restaurants unerwünscht. Nach Las Vegas sollte man Google Glass – außer vielleicht zur alljährlichen Consumer-Electronics-Messe CES – besser nicht mitnehmen, an den Spieltischen sind sie absolut tabu. Kurt Sagatz

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