Medien : Nicht nett zum Hackbrett

Maxi Arland: Ein junges Leben für die Volksmusik

Dietrich Wolf Fenner

Er ist überpünktlich. Auf den ersten Blick ein junger Mann aus Berlins trendiger Mitte: das Haar blond gesträhnt, quer über die Stirn gestylt, die Haut gebräunt, noch ein paar kleine Pickel, Lacoste-Poloshirt. „Musikantendampfer“ ist wahrscheinlich das letzte, woran man denkt, wenn man Maxi Arland zum ersten Mal begegnet. „Ich bin kein Stadtmensch, und ich bin froh, dass ich in Landsberg noch in einer ländlichen Umgebung wohne." Landsberg am Lech liegt in Bayern, hat 20 000 Einwohner und ist nicht Berlin-Mitte. Arland ist smarter und weniger bajuwarisch als sein Kollege Florian Silbereisen. Beide sind erst 23 Jahre alt, moderieren für die ARD Volksmusiksendungen, sind befreundet. Arland moderiert heute zum zweiten Mal die RBB-Produktion „Musikantendampfer“.

„Mein Vater kommt auch noch, der sucht nur noch einen Parkplatz.“ Mit dem Parkplatz suchenden Henry Arland und Carolin Reiber hat 1993 alles angefangen. „Eher durch Zufall“ landete er mit seinen Söhnen Maxi und Hansi in Reibers „Volkstümlicher Hitparade“. Zufällig war die Musikrichtung, denn Vater Arland ist klassisch ausgebildeter Klarinettist und Musiklehrer, der seinen Söhnen auch Jazz, Swing und klassische Kompositionen beigebracht hat. Nach veritablen Erfolgen als Instrumental-Trio wurden aus den Volksmusik-Jungs Männer, Fernsehen und Musikproduzenten verloren das Interesse an den adoleszenten Arlands, jeder ging seine eigenen Wege. „Mein Bruder hat gerade seinen Zivildienst abgeschlossen, hat sich Rastalocken wachsen lassen und arbeitet mit seiner eigenen Reggae-Band. Er hat sich von der deutschen und volkstümlichen Musik verabschiedet.“

Die Frage nach seinem jüngeren Bruder beantwortet er artig, aber nicht gerade gerne. Maxi Arland ist zielstrebig, er will über seine Karriere sprechen. Auch dass der Großvater Entdecker und Produzent von Roy Black war und ihm seine großen Hits komponierte, erzählt Vater Arland; Maxi wendet sich ab, betont dann aber eilig: „Der Opa, ja, seine Meinung ist mir sehr wichtig, aber er lebt musikalisch noch in seiner Zeit.“ Dennoch hat er für das aktuelle Album von Maxi Arland ein Stück komponiert. „Weil du zärtlich bist“ heißt es. Wenn der Opa mit den Schmachtschnulzen „Ganz in Weiß“ in „seiner“ Zeit lebt, in welcher Zeit lebt dann Maxi Arland mit Volksmusik? „Die Volksmusik hat sich weiterentwickelt. Als ich vor zehn Jahren anfing, gab es noch viele Hackbretter und Akkordeons in der Szene, jetzt sind diese volkstümlichen Elemente verschwunden. Volksmusik ist also der falsche Name, das habe ich schon immer gesagt. Deutsche Unterhaltungsmusik ist richtig.“ Er lacht erleichtert, den Punkt wollte er unterbringen."

Warum deutsche Musik? Etwas pampig kommt die Gegenfrage: „Ich bin ja deutsch, warum soll ich nicht deutsch singen?“ Wieder routiniert freundlich: „Ich singe auf deutsch wegen der Zielgruppe, die gar kein Englisch kann. Illusionen und kleine Botschaften, die drei Hs, das sage ich immer, Lieder mit Herz, Hirn und Humor, die kann ich nur vermitteln, wenn die Lieder auf deutsch geschrieben sind.“ Die drei Hs. Maxi Arland hat seine Pressetexte gut gelernt. Vom Berliner Label „Tapete“ und deren deutsch singenden PopInterpreten Toni Kater, 2Raumwohnung hat er gehört, die Musik kennt er nicht.

Mit 13 Jahren hat Maxi Arland begonnen, Radiosendungen zu moderieren. Erst jeden Sonntag das Wunschkonzert auf Radio Chiemgau, dann kam mit 18 Jahren ein Volontariat beim Volksmusik-Radio Melodie in München. „Ich habe den nötigen Respekt vor meinem Publikum und ich bin froh, dass ich die Radiomoderation und den Musikantendampfer machen darf.“ Das klingt ziemlich streng, auch das nachgeschobene Lächeln löst die Spannung nicht. „Ich finde es nicht ungewöhnlich, dass sich junge Menschen für volkstümliche Musik interessieren. Als Moderator werde ich das Publikum nicht verjüngen, aber jung halten.“ Jede Antwort sitzt. Maxi Arland strahlt. Vielleicht wird bald ein Max aus ihm.

„Musikantendampfer“, 20 Uhr 15, ARD

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