Medien : Nicht ohne meinen Laptop

Für E-Mails reicht das Internet-Café. Wer mehr will, reist besser mit dem eigenen Rechner

Kurt Sagatz

So unterschiedlich können die Erfahrungen sein: Für den USA-Aufenthalt waren diese vier Kilo Reisegepäck eine absolut unnötige Plackerei. Denn der Ärger mit dem Laptop begann bereits mit dem Stromanschluss: Der Stecker des Ladegerätes passte nicht, den letzten Adapter hatte das Hotel gerade verliehen und der nächste Elektroladen war einige Blocks entfernt. Aber auch die Verbindung ins Internet erwies sich als holprig, das Funknetz war nicht kompatibel mit Windows 98. Besser bedient war der Gast mit dem frei zugänglichen Internet-Rechner in der Hotel-Lobby, nur die etwas andere US-Tastaturbelegung irritierte leicht.

Wie sinnvoll es ist, den eigenen Computer in den Urlaub mitzunehmen, hängt von vielen Faktoren ab. Denn auf der anderen Seite gibt es durchaus Situationen, in denen man das eigene Gerät auch im Urlaub nicht missen will. Beispielsweise, weil man auch im Urlaub ständig ein Gerät verfügbar haben muss, um eine wichtige Arbeit abzuschließen. Oder weil man darauf angewiesen ist, Kontakt zur Firma zu halten. Dafür wird dann zumeist auf verschlüsselte Netzwerkverbindungen, so genannte Virtual Private Networks oder VPNs, zurückgegriffen, die man schlecht allein auf einem fremden Gerät installieren kann. Vielleicht möchte man aber nur sein Urlaubsvideo oder die Fotos vom Strand bereits abends im Hotel bearbeiten, wofür ebenfalls der eigene Laptop die beste Wahl ist.

Technik: Wer sich dafür entscheidet, mit dem mehr oder minder schweren Laptop-Gepäck zu verreisen, sollte vor Antritt des Urlaubs allerdings mit dem Reiseveranstalter klären, ob die Geräte gegen Transportschäden in Flugzeug und Bus versichert sind. Und wie es mit dem Versicherungsschutz gegen Diebstahl im Hotelzimmer oder im Bungalow bestellt ist. Weiter wichtig: Welches Stromsystem (110 oder 220 Volt/ 60 oder 50 Hertz) wird im Urlaubsland eingesetzt und kommt das eigene Netzteil damit klar? Für die meisten aktuellen Laptop-Stromversorgungen trifft dies zu. Wer öfters mit Laptop verreist, kauft zudem vor dem Reiseantritt im Notebook- oder Computerfachhandel das große Sortiment an Adaptern sowohl für den Anschluss ans jeweilige Strom- als auch ans Telefonnetz. Neu kosten diese Adapter im Fachhandel zwar bis zu 50 Euro, bei Ebay wird man hingegen bereits unter zehn Euro fündig.

Wer den eigenen Computer dabei hat, will damit auch ins Internet gehen, seine E-Mails lesen. Doch Vorsicht: Die einfachsten Wege ins Netz sind im Ausland die teuersten. Dies gilt insbesondere für den Internet-Zugang über das Handy.

Internet per Handy: Wer mobil ins Internet geht, nutzt in Deutschland zumeist die mobilen Datendienste GPRS oder HSCSD. Damit sind Geschwindigkeiten möglich, die fast an einen Festnetzanschluss heranreichen. Auch im Ausland stehen diese Dienste oftmals schon zur Verfügung. Über die Roaming-Angebote informieren die einzelnen Handy-Provider. Zur Not reicht auch eine langsame GSM-Standardverbindung aus. In jedem Fall aber gilt, dass im Vergleich zu den Heimattarifen erheblich höhere Roaming-Gebühren anfallen. Der Telekommunikationsspezialist Teltarif.de hat ausgerechnet, dass beispielsweise in Frankreich rund 16 Euro fällig werden für ein Megabyte Daten.

Wireless LAN: Preiswerter, wenn auch nicht eben billig, sind dagegen Wireless-LAN-Zugänge. In vielen neuen Laptops ist die nötige Technik bereits eingebaut, die Nachrüstung mit einer Steckkarte kostet rund 50 Euro. Die Zahl der so genannten Hotspots steigt täglich, die Webseite www.hotspot-locations.com verzeichnet aktuell über 11 000 Zugangspunkte weltweit, davon fast 6500 in Europa und über 3900 in den USA.

Wichtig: Damit ist es keine Probleme gibt, sollte beim Kauf einer neuen Wifi- Karte darauf geachtet werden, dass sie kompatibel zum Standard IEEE 802.11b ist, den die meisten Zugangspunkte unterstützen. Die beste Garantie für einen einfachen Verbindungsaufbau ist ein aktuelles Betriebssystem wie Windows XP. Zu Problemen kommt es häufig bei Handheld-PCs, den so genannten PDAs. Deren Internet-Browser können häufig nur ein Fenster darstellen. Viele WLAN-Anbieter funktionieren jedoch nur mit einem zweiten Fenster, das im Hintergrund die Login-Information bereithält. Bei kostenpflichtigen Hotspots empfiehlt es sich daher, nur Karten mit einem geringen Guthaben zu erwerben. Falls der Zugang nicht funktioniert, war der Versuch wenigstens nicht allzu teuer. Wer die Wahl hat, sollte darauf achten, dass minutengenau abgerechnet wird. Bei einigen Wireless-LAN-Anbietern muss das Guthaben an einem Stück verbraucht werden, andere Provider rechnen in 15- oder 30-Minuten-Paketen ab. Nur eben die E-Mails zu überprüfen, wird so zum kostspieligen Vergnügen.

Über Modem: Die preiswerteste Variante, im Urlaub mit dem eigenen Computer online zu gehen, ist immer noch der Internet-Zugang per Modem. In den meisten Laptops ist ein 56-Kilobit-Analogmodem eingebaut, praktisch sind Kabel, die sowohl mit einem deutschen Stecker als auch dem kleineren Western-Stecker versehen sind. Mitunter hilft es, einfach das Kabel des vorhandenen Telefons mit dem Modem zu verbinden.

Kunden von Providern wie AOL und T-Online profitieren davon, dass diese Unternehmen in weiten Teilen der Erde über lokale Einwählpunkte verfügen, so dass an reinen Telefonkosten nur der Ortstarif bezahlt werden muss. Allerdings funktioniert die Einwahl zumeist nur dann reibungslos, wenn auch die jeweilige Spezialsoftware des Providers eingesetzt wird, die am besten vor Reiseantritt aktualisiert oder wie beim speziellen Einwahltool von T-Online heruntergeladen und installiert wird.

Um an die jeweiligen Einwahlnummern zu gelangen, wird bei AOL das Kennwort „Globalnet“ eingegeben, bei T-Online wird auf den Serviceseiten zum Internetzugang über die internationalen Einwahlmethoden informiert. Die Gebühren bei T-Online liegen dann zwischen vier und 16 Cent je Minute. AOL ist vor allem in den USA unschlagbar preiswert, dort wird kein Zuschlag erhoben. In Spanien werden hingegen 3,40 Euro je Stunde mehr berechnet.

Internet-Cafés: Wer den Urlaub stressfrei, aber nicht ohne Internet verbringen will, sucht am besten ein Internet-Café auf. An seine E-Mails gelangt man bei den meisten Providern über eine spezielle Internet-Seite (beispielsweise webmail.t-online.de, aolmail.aol.com, hotmail.com, web.de oder gmx.de). Wann immer möglich, sollte im Internet eine sichere Verbindung ausgewählt werden (bieten viele E-Mail-Provider an). Nach Ende der Surf-Sitzung sollten alle Fenster geschlossen werden, so werden temporäre Speicherungen gelöscht.

Ob in der eigenen Urlaubsregion ein Internet-Café existiert, kann auf der Seite www.worldofinternetcafes.de abgefragt werden. Das Internet-Portal ist recht ausführlich, wenn es um Internet- Cafés in Europa geht und listet dort insgesamt über 2000 Zugänge ins World Wide Web auf. Für typische Reiseziele wie Türkei, Spanien oder Italien ist der Dienst ein guter Anhaltspunkt. Einige der Cafés können über das Portal auch direkt angesteuert werden, um sich über Preise und Öffnungszeiten zu informieren. Allerdings, auch das zeigt Worldofinternetcafes, gibt es in Ländern wie Griechenland viele weiße Flecken auf der Netzkarte.

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