Medien : Nicht paniksicher

Barbara Sichtermann

Arabella Kiesbauer, N24 . Da haben wir uns ja was aufgeladen mit der Fußball-WM: Neben den Sicherheitsmängeln bei den Stadien noch eine „Musterversammlungsstättenverordnung“, nach der sich niemand richtet. Aber wenn es nur das wäre! Gefährlicher noch als marode Gebäude sind womöglich gewaltbereite reisende Fans, die nur mit „Sonderstrafkatalogen“ zur Raison gebracht werden müssen. Ein Titel, der bei diesem Mitternachtstalk mit Holger Brackemann von der Stiftung Warentest, Klaus Bronny von den Landesjustizverwaltungen und Arabella Kiesbauer von N24 alle paar Minuten aus dem unteren Bildrand wuchs, hieß: „Ausnahmezustand WM: Macht Fußball so noch Spaß?“

Gute Frage. Kiesbauer, nach ihren Jahren als Krawall-Talkerin zur ernsthaften Moderatorin gereift, gab sich gar nicht erst Mühe, die Probleme herunterzuspielen. Sie lächelte selten und fragte einen ganzen Horrorkatalog erschreckender Möglichkeiten aus Brackemann heraus. Das Olympia-Stadion ist nicht paniksicher, und in Kaiserslautern stimmt es mit der Entrauchung nicht. Während der „böse Junge“, wie ihn die Sportfunktionäre nennen, die niederschmetternden Testergebnisse auf seine bescheidene Art vortrug, erschien auf dem N24-Laufband die Mitteilung, dass sich im Schwimmbad zu Peine eine Deckenpaneele gelöst habe und ins Wasser gestürzt sei. Verletzt wurde niemand. Dem Zuschauer aber wurde allmählich mulmig, und manch einer wird sich überlegt haben, ob er seine WM-Karte nicht lieber verkauft.

Herr Oberstaatsanwalt Bronny musste sich gegen den Verdacht wehren, er wolle per Schnellgericht wilde Hooligans aburteilen, die Schlimmeres verdient hätten. Es ginge nicht um Strafen, sagte er, sondern um „Sicherheitsleistungen“ – so heißt das, wenn man tausend Euro zahlen muss, weil man sich geprügelt hat.

Kiesbauer versuchte am Schluss ein bisschen Laune zu machen, indem sie ihre Interviewpartner fragte, ob sie bei all den Gefahren denn noch Fußballfans seien. Und so kam es zum einzigen Schmunzler der Sendung, als Bronny bekannte, für den 1. FC Köln zu sein, obwohl er aus Düsseldorf komme. Warum bloß hat man dieses heillose Thema aus den Grauzonen um TÜV, Randale und Alarmismus für Kiesbauers erste Sendung gewählt, die von insgesamt 90 000 Zuschauern gesehen wurde, was einer Quote von 0,6 Prozent entspricht? Paniksicher war sie jedenfalls nicht.

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