Medien : Nichts Neues nach der Pubertät

Neue Folgen von „Mein Leben und ich“

Alice Bota

Ihr Bruder, ihre Eltern, der Freund Niko – alles Lügner. Das ist die erste Erkenntnis von Alex: „Der Mensch fängt mit etwa sechs Jahren an zu lügen. Und dann lügt er. Und lügt. Und lügt.“ Die Eltern Anke und Hendrik misstrauen sich nach einer spät gestandenen Affäre der Mutter, Bruder Basti schwindelt, um zum Kiffen nach Amsterdam reisen zu können, und Freund Niko lebt für seine Eltern eine Scheinexistenz. Niko, gestraft mit einer erfolgreichen Schwester, ohne Schulabschluss und nicht unbedingt das, was Eltern sich so träumen, führt eine Videothek in Köln. Er lügt seinen Eltern vor, erfolgreich in Berlin zu arbeiten. Alex’ zweite Erkenntnis: Lügen sind unterhaltsam. Niko schleppt Berge an Wetterberichten, Immobilienteilen, Fahrplänen und Zeitungen aus Berlin zusammen, erstellt Dossiers, um ja keinen Zweifel an seiner Berliner Existenz aufkommen zu lassen. Dumm nur, dass Niko sich ständig verstecken muss – seine Schwester wohnt auch in Köln. Dumm auch, dass Alex ihm beim Bauen seines Lügengebildes helfen muss. Das macht sie, wie in den alten Folgen schon, auf ihre eigene Art: trocken, sarkastisch, mit entlarvenden Sprüchen. Daran hat auch nichts geändert, dass Alex die Zeit der Pubertät und die hormonellen Unberechenbarkeiten überstanden hat.

Sie ist erwachsener geworden. In der fünften Staffel von „Mein Leben und ich“ steht Alex, gespielt von der mittlerweile 26-jährigen Wolke Hegenbarth, vor dem Abitur und arbeitet nebenbei in Nikos Videoladen. Das ändert aber nichts daran, dass sie auf ihr Leben blickt, wie Ärzte manchmal verhaltensauffällige Patienten mit enervierenden Neurosen betrachten: mit einer genervten Routiniertheit, gleichzeitig aber auch peinlich berührt von dem alltäglichen Zirkus, den Freunde und Familie um sie herum aufführen. Das hat doch alles nichts mit Alex zu tun. Sondern nur mit ihrem Leben.

„Mein Leben und ich“, RTL, 21 Uhr 15

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