Medien : "Niemand kann mit CNN mithalten"

Herr Ruge[die die],wie beurteilen Sie die Arbeit[die die]

Gerd Ruge, 73, hat als ARD-Korrespondent viele Kriegs- und Krisengebiete dieser Welt bereist. Zu Weihnachten zeigt das erste Programm drei Reportagen des Journalisten über das südliche Afrika.

Herr Ruge, wie beurteilen Sie die Arbeit, die die Nachrichten-Redaktionen in den deutschen Sendern zu Afghanistan leisten?

Die Arbeit der Redaktionen ist außerordentlich schwierig. Denn direkte Informationen sind kaum zu bekommen, die Informationspolitik wird auf beiden Seiten, auf Seiten der USA, aber auch auf der der Taliban, von PR erfahrenen Leuten gesteuert. Die Schwierigkeit dabei ist es, diese gesteuerten Nachrichten auch richtig zu bewerten.

Wie ziehen sich die Sender aus der Affäre?

Sie machen ihre Aufgabe, auch im internationalen Vergleich, ganz ordentlich und holen das an Information heraus, was möglich ist. Allerdings sollte man genau auswerten, ob nicht stellenweise versucht wird, sogar zu viel aus den Korrespondenten herausholen zu wollen.

Weniger wäre mehr?

Genau, denn die Korrespondenten sind durch die Konkurrenz der Sender gezwungen, viele Dinge zu sagen, die vor Ort gar nicht zu recherchieren sind und die sie gar nicht selbst erlebt haben können. Die technischen Möglichkeiten erlauben es, dass ein Korrespondent zwei, drei Mal am Tag seinen Aufsager machen muss. Die Nachrichtenlage aber hat sich in diesen wenigen Stunden gar nicht geändert. Die Korrespondenten müssen dann zu viel berichten, was sie selbst nur vom Hörensagen kennen.

Und dem Zuschauer wird so Kompetenz vorgegaukelt.

Man glaubt bei den Sendern wohl, dass je öfter sie zeigen, dass sie einen Mann vor Ort haben, desto höher wird vom Zuschauer die Kompetenz des jeweiligen Senders eingeschätzt. Das ist ein falscher Weg, denn relativ bald kommt die Öffentlichkeit und damit der Zuschauer dahinter, dass es sich hier nur um eine scheinbare Kompetenz handelt.

Der ARD-Vorsitzende Fritz Pleitgen hat eine "uneingeschränkte Berichterstattung" gefordert, der CNN-Chef Walter Isaacson dagegen weigert sich, "Zivilopfer in Afghanistan in den Mittelpunkt zu rücken".

Ich sehe in den beiden Aussagen keinen Widerspruch. Ich bin auch nicht sicher, ob es richtig, Zivilopfer in Afghanistan in den Mittelpunkt zu rücken. Zum einen, weil wir selbst keine Möglichkeit haben, zu überprüfen, wie diese Menschen umgekommen sind, zum anderen, weil bei einem Krieg nun mal auch der Krieg im Mittelpunkt steht. Natürlich muss über Zivilopfer berichtet werden, aber nicht proportional mehr als über die anderen Dinge, die ein Krieg leider mit sich bringt.

Hat ZDF-Chefredakteur Brender Recht, wenn er Privatsendern vorwirft, sie würden Bilder wie jene aus New York zur Quotenjagd nutzen?

Diese Einschätzung möchte ich so nicht bestätigen. Ich denke sogar, dass das Problem der Privaten darin liegt, dass sie in der Regel eher zu wenig Information bieten. RTL allerdings hat am ersten Tag der Katastrophe ganz ausgezeichnete Arbeit geleistet, weit über dem Durchschnitt dessen, was man dort sonst diesbezüglich produziert. Ich befürchte allerdings, dass dies nicht auf Dauer der Fall sein wird.

Haben die deutschen Nachrichtenkanäle n-tv und N 24 bewiesen, dass sie mit dem großen Vorbild CNN mithalten können?

Niemand kann mit CNN mithalten, weder die beiden privaten Nachrichtenkanäle noch die öffentlich-rechtlichen Sender. CNN ist ein ganz anderer, ein viel größerer Apparat. Für uns mit vielen Vorteilen, aber auch mit einigen Schwierigkeiten behaftet, weil die Beurteilung der Ereignisse eben eine sehr amerikanische ist. Ich bin sicher, dass uns CNN nicht bewusst betrügt, aber auch dort ist man schließlich angewiesen auf das, was das Pentagon an Information zur Verfügung stellt. Nichtsdestotrotz halte ich es für ausgeschlossen, dass irgendein deutscher Sender mit CNN mithalten kann.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben