Medien : Niere zu Niere

Kurt Sagatz

Menschen bei Maischberger: Organspende – Leben aus zweiter Hand. Dienstag, ARD. Die gute Nachricht gab Ersatzmann Frank Elstner gleich zu Beginn der Sendung bekannt: In zwei Wochen werde Sandra Maischberger wieder auf dem Moderatorenstuhl Platz nehmen und zeigen, wie gut ihr die Babypause bekommen sei. Aber Elstner hatte auch eine schlechte Nachricht. Am Dienstag seien wieder drei Menschen in Deutschland gestorben, weil es für sie keine Organspende gegeben habe, sagte der Moderator und war mittendrin in einem Thema, das bei keinem Beteiligten Freude aufkommen lässt. Selbst Menschen, denen mit einer Organspende geholfen wurde, tun sich schwer damit, sich über das persönliche Glück zu freuen, solange andere auf den Wartelisten für Transplantationen stehen.

Wie schwer es für die Betroffenen ist, öffentlich ihr Schicksal auszubreiten, sah man den beiden Ehepaaren aus Berlin und Brandenburg an. Weil die Frauen ihren Männern, deren Nieren seit Jahren nicht mehr richtig funktionierten, ihre Organe wegen nicht übereinstimmender Blutgruppen nicht direkt spenden konnten, kam es zu einer Überkreuzspende. Vielleicht war es der stets mitfühlende Blick von Frank Elstner, vielleicht die Jahre des Leids, vielleicht auch der Umstand, dass Patienten selbst nach erfolgreichen Organspenden oftmals lebenslang Medikamente zu sich nehmen müssen: Das Thema kennt keine Entspannung, kann am späten Abend nicht der Erholung dienen, eher der Besinnung. Als Elstner die beiden Frauen aufforderte, die Plätze zu tauschen – „damit Niere bei Niere sitzt“ – huschte der Hauch eines Lächelns über die Gesichter der Gäste. Mehr konnte man schwerlich erwarten.

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