Niki Lauda : "Das ist beinharte Arbeit"

Am Sonntag findet das Formel-1-Rennen in Monte Carlo statt. Der dreifache Weltmeister Niki Lauda über die Formel-1-Moderation, TV-Quote und Schumis Erben.

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Niki Lauda, 59, vermittelt seit Mitte der 90er Jahre auf RTL das Formel-1-Geschehen. -Foto: dpa

Herr Lauda, Sie haben immer große Stücke auf Michael Schumacher gehalten. Wie schwer ist Ihnen sein Abschied aus dem aktiven Formel-1-Geschäft gefallen?

Mir ist überhaupt nichts schwergefallen, weil ich das ja damals selber zwei Mal gemacht hab’. Ich kenne die Beweggründe von Schumachers Abschied. Das war ganz logisch. Es gibt aber heute sicherlich noch viele Zuschauer, die dem Schumacher nachweinen. Denen fehlt der Unterhaltungswert Schumacher.

Da haben sie ja auch recht. So richtig Schlagzeilen sind mit der Formel 1 eben nicht zu machen.

Der Schumacher war ein ganz besonderes Kapitel, und die nationale Bindung der deutschen Zuschauer zu diesen wahnsinnigen Erfolgen mit sieben Weltmeisterschaften ist enorm. Doch die Zeiten ändern sich, und darin liegt auch eine Chance für den Sport.

RTL hat diese Saison mit fünf deutschen Fahrern vorab auffällig groß beworben.

Fünf deutsche Fahrer, natürlich ist das ein Pfund, mit dem man wuchert. Logisch aber auch, dass die nicht von jetzt auf gleich kompensieren können, was der Schumacher gemacht hat. Dass diese Fahrer Potenzial haben, ist überhaupt keine Frage, aber die brauchen eben noch Zeit. Ich hoffe, dass auch andere Emotionen, andere Dinge wie der Kampf Mercedes gegen BMW die Menschen weiter vor der Glotze halten.

Seit 1996 präsentieren Sie die Formel 1, erklären Hintergründe. Was ist schöner: TV kommentieren oder selber fahren?

Selber fahren, aber das kann man ja nicht bis zum Lebensende machen. RTL hat mir damals das Angebot gemacht, und ich tu mich als Co-Moderator natürlich leicht, die Dinge, die man als Fahrer sieht, ins Programm einzubringen.

Zu Ihrer aktiven Zeit, vor 25, 30 Jahren, gab es nicht diese Medienpräsenz der Formel 1. Heute wird fast drei Tage stundenlang am Stück übertragen. Qualifyings, das Rennen, Countdown, Highlights – wird Ihnen das nicht selbst zu viel?

Das alles ist angemessen, solange Zuschauer dabei sind. Wir haben derzeit auch bei bestem Ausflugswetter fünf, sechs Millionen Zuschauer und Marktanteile von über 40 Prozent jedes Rennwochenende. Wenn das Interesse nicht da ist, hört das Ganze eh von alleine auf.

Kennen Sie Günter Netzer?

Nicht persönlich.

Für die Formel 1 sind Sie das, was Netzer für den Fußball ist. Was glauben Sie: Bringt ein guter, illustrer Experte ein paar hunderttausend Zuschauer mehr an den Bildschirm?

Das kann ich so pauschal nicht sagen. Ich versuch’ halt, mein Bestes zu geben. Wenn es ein langweiliges Rennen ist, kann ich auch kein spannendes Rennen draus machen. Wenn die Leute gegeneinander oder übereinander fahren, kann ich das aber besser beurteilen, weil ich selber gefahren bin.

Ein anderer weltberühmter Profisportler wird jetzt auch TV-Experte. Haben Sie einen Tipp für Oliver Kahn?

Den braucht er sicher nicht. Ich kann nur für meine Person reden. Fakt ist: TV-Moderatoren haben nie in Rennautos gesessen. Es muss aber nicht sein, dass ein TV-Experte wie Oliver Kahn immer das sagt, was die Zuschauer interessiert. In diese Position muss man hineinwachsen. Das ist beinharte Arbeit.

Beim Namen Niki Lauda denkt man ja immer noch an den schweren Unfall auf dem Nürburgring 1976. Auch heute bleiben in der Formel 1 Unfälle nicht aus. Können Sie da überhaupt entspannt hinsehen?

Mein Unfall hat mich danach überhaupt nicht belastet. Ich bin ja nachher noch zweimal Weltmeister geworden. Wenn heute Unfälle passieren, schaue ich als Co-Moderator zu, analysiere sie. Freue mich, wenn nichts passiert. Aus, fertig.

Unfassbar eigentlich. Was Nicht-Formel-1-Fans auch nicht glauben wollen: Fällt es Ihnen immer leicht, sich über so lange Zeit für eine Sportart zu begeistern, bei der die Akteure immer nur im Kreis fahren?

Ich muss ehrlich sagen, wenn das Jahr zu Ende geht und eine WM vielleicht schon relativ früh entschieden ist, habe ich auch schon mal Probleme mit meiner Motivation. Wenn das aber immer so wäre, hätte ich meinen Vertrag mit RTL nicht drei Jahre verlängert.


Das Interview führten  Markus Ehrenberg und Kurt Sagatz.

Niki Lauda, 59,  vermittelt seit Mitte der 90er Jahre auf RTL das Formel-1-Geschehen. Seine aktive Karriere als Rennfahrer beendete der dreifache Weltmeister im Jahr 1985.

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