Nina Kunzendorf in neuer Rolle : Die doppelte "Tatort"-Kommissarin

Von Frankfurt nach Friesland: Nina Kunzendorf geht als Kommissarin Conny – und kommt als Kommissarin Christine zurück. Der NDR tut dem "Tatort" damit keinen Gefallen. Warum eine Auszeit für Ex-Ermittler sinnvoll wäre.

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Graue Maus. Als Kommissarin Christine Brandner war Nina Kunzendorf der optische Gegensatz zur Kommissarin Conny Mey. Foto: NDR
Graue Maus. Als Kommissarin Christine Brandner war Nina Kunzendorf der optische Gegensatz zur Kommissarin Conny Mey.Foto: NDR

Huch, was macht denn die Frankfurter Kommissarin plötzlich in Friesland? Auf der Insel Langeoog? Und warum arbeitet sie jetzt für das Kommissariat in Aurich? Wer am Sonntag den „Tatort“ eingeschaltet hatte, durfte verwirrt sein beim Anblick von Nina Kunzendorf. Erst im April hatte sich die Schauspielerin als Ermittlerin Conny Mey an der Seite von Joachim Król verabschiedet, am Sonntag gab es dann Kunzendorf reloaded zu sehen: als Kommissarin Christine Brandner neben Wotan Wilke Möhring alias Thorsten Falke. Für die Glaubwürdigkeit der ARD-Krimireihe sind solche Wiedersehen allerdings wenig hilfreich.

Plötzlich taucht Kunzendorf als graue Maus auf

Sicher ist es der Beruf von Schauspielern, in verschiedene Rolle zu schlüpfen. Aber für bestimmte TV-Produktionen wäre eine Konkurrenzausschlussklausel wie in der Wirtschaft durchaus sinnvoll: Eine Zeit lang ist das Engagement beim Wettbewerber untersagt. Die Zuschauer dürften es den ARD-Anstalten danken.

Vom Tussi-Image ihrer Frankfurter Kommissarin Conny Mey war Nina Kunzendorf nicht besonders angetan. Foto: HR
Vom Tussi-Image ihrer Frankfurter Kommissarin Conny Mey war Nina Kunzendorf nicht besonders angetan.Foto: HR

Keine Frage, die schauspielerische Leistung von Kunzendorf war einwandfrei, dennoch wirkte sie als Kommissarin Brandner lächerlich. Denn um der Problematik der doppelten Kommissarin beizukommen, hatte der NDR die Methode Holzhammer gewählt. Kunzendorf war auch deshalb beim Frankfurter „Tatort“ ausgestiegen, weil sie keine Lust mehr hatte auf das Tussi-Image ihrer Conny Mey: tiefer Ausschnitt, Ohrringe groß wie Wagenräder, immer ein Kaugummi im schnippischen Mündchen. Als Kommissarin Brandner gab sie am Sonntag vor 10,74 Millionen Zuschauern das Gegenteil: eine graue Maus mit praktischer Kurzhaarfrisur, großer Retro-Brille und den Schal hochgezogen bis zum Ohr.

Inaszeniert wurde die Folge von Kunzendorfs Lebensgefährten

Inszeniert wurde die Folge von ihrem Lebensgefährten, dem Regisseur Stefan Kornatz. Kunzendorf sei „die Beste für die Rolle“ gewesen, sagte er. Er habe sich „keine Gedanken gemacht über Rollen, die sie wann anders gespielt hatte“.

Die Zuschauer hingegen dürften durchaus ins Grübeln gekommen sein. Ob die ARD-Anstalten mit der verdoppelten und lächerlich umgestylten Kommissarin sich und dem Publikum einen Gefallen tun? Die Ermittlerteams dieser und der Schwesterreihe „Polizeiruf 110“ vermehren sich – siehe Franken – ja wie die Karnickel, dazu kommen wie bei den „Tatorten“ in Frankfurt am Main oder demnächst in Berlin neue Engagements. Da wäre eine größere Phase der Ruhe und der Beständigkeit kein Schaden, damit die Zuschauer weniger mit den Besetzungslisten und mehr mit den Kriminalfällen beschäftigt sind. Oder soll das Publikum ständig auf dem Second  Screen www.tatort-fundus.de laufen haben? Dort wird jede, aber auch jede Frage zum „Tatort“ beantwortet.

Läuft Joachim Król demnächst als Messerschwinger durch Berlin?

Sinn und Zweck des Krimis ist das allerdings nicht: dass das Suchspiel der Kommissare zum Suchspiel der Zuschauer wird. Sollte Joachim Król demnächst als Messerschwinger durch Berlin laufen oder Dominic Raacke in der Isar treiben, dann wird es Zeit für diese Forderung: Ex-Kommissarinnen und -Kommissare bekommen ein Auftrittsverbot im Nationalkrimi.

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