Medien : Noch Träume: Geißendörfer wird 65

Markus Ehrenberg

Es gibt nicht viele Regisseure, die es schaffen, Harry Rowohlt die Haare abzuschneiden, den „Zauberberg“ zu verfilmen und via Familienserie ganz Deutschland zum Stromboykott aufzurufen. Hans W. Geißendörfer ist das gelungen. Heute feiert der Macher der „Lindenstraße“ seinen 65. Geburtstag, mit Frau und drei Töchtern in Griechenland.

Normalerweise liebt es der Alt-68er nordisch. Geißendörfer pendelt zwischen London und Köln-Bocklemünd. Dort wird die „Lindenstraßen“ produziert. Drei Wochen im Monat kümmert er sich an der Themse um seine Film-Produktionsfirma. Die „Lindenstraße“, 1985 entstanden, ist Geißendörfers Lieblingskind. Wer den stets mit Wollmütze gekleideten Regisseur 2005 auf der Funkausstellung gesehen hat, wo die „Lindenstraße“ von der ARD zum 20-jährigen Jubiläum präsentiert wurde, kann sich nicht vorstellen, dass Geißendörfers Elan so bald nachlässt. Kanzlerin Merkel? Endlich wieder ein Thema, an dem man sich sich abarbeiten kann. Vor ein paar Monaten wurde der Vertrag mit der ARD bis 2008 verlängert. Bis dahin dürften auch die Haare nachgewachsen seien, die sich „Lindenstraßen“-Penner Harry Rowohlt in der Sonntags-Folge abschneiden ließ.

Vielleicht wird man sich auf seine alten Tage noch mehr über Geißendörfer wundern. Die Abteilung Movie Development seiner Kölner Film- und Fernsehproduktion (GFF) produziert nun kommerziellere Filme wie „Pik und Amadeus“ mit Sonja Kirchberger, der Weihnachten ausgestrahlt wird. Dennoch: Eine besondere Eigenschaft Geißendörfers ist Kompromisslosigkeit. Die „Lindenstraße“ war die erste Serie, die Themen wie Schwulen-Ehe, Aids, Anti-Atomkraft oder Rassismus behandelt hat. Für diese Kompromisslosigkeit hat der Regisseur an der Kinokasse bezahlen müssen, 1981 beim „Zauberberg“, 2005 beim kommerziellen Flop mit „Schneeland“. Die Arbeit soll furchtbar gewesen sein, so Geißendörfer. Für 2007 ist ein neuer Kinofilm in Planung. Der „Zeit“ sagte Geißendörfer: „Ich träume davon, für immer 63 zu bleiben.“

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