Medien : Noch zwei Mal

Abschied von Harald Schmidt

Matthias Kalle

Andy Kaufman

Als vor ein paar Jahren der Film „Der Mondmann" lief, soll Schmidt sein Team dazu verdonnert haben, mit ihm ins Kino zu gehen. Angeblich habe er gesagt, dass dies eigentlich seine Geschichte sei. In dem Film geht es um die Biografie des US-Komikers Andy Kaufman, der in den 70er-Jahren ein Genie war, der Beste seiner Zeit – weil er sich weigerte, komisch zu sein. Manchmal ging er auf die Bühne und las den ganzen Abend ein komplettes Buch vor. In einer Show stellte er einen Plattenspieler auf den Tisch und ließ das Kinderlied „Mighty Mouse Theme" laufen, den Refrain sang er mit: „Here I come to save the day". Irgendwann sagte er zu seiner Familie, dass er Krebs habe, aber die hielten das für einen Witz. Ein paar Monate später starb Kaufman.

Es gibt eine Szene in dem Film, da unternimmt er noch einen letzten verzweifelten Versuch, die Krankheit zu besiegen: Er geht zu einem Wunderheiler, legt sich auf eine Bahre, und der Wunderheiler beginnt, an seinem Bauch rumzufummeln. Als Kaufman kurz nach oben schaut, sieht er, dass der Mann bereits ein blutiges Stück Fleisch in der Hand hält und dann wie ein Zauberer so tut, als hole er es aus dem Bauch des Kranken. Und als Kaufman das sieht, beginnt er zu lachen, denn jetzt endlich weiß er sicher, das er sterben wird. Kurz danach ist sein letzter Auftritt, er hat die Carnegie Hall gemietet, er singt, tanzt, macht Witze, der Weihnachtsmann verteilt Geschenke – es war seine größte, seine beste Show. Und am Ende, bei der Beerdigung, lachen die Freunde und die Familie zusammen mit Andy Kaufman, der sie von einer Leinwand noch ein letztes Mal auffordert, ein Lied mit ihm zu singen. Bis heute glauben einige Leute, Kaufman sei gar nicht gestorben. Er habe einfach nicht mehr gewollt.

Im Moment will Schmidt nicht mehr. Acht Jahre kam er, um uns den Tag zu retten. Die letzten zehn Shows waren seine Carnegie Hall.

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