Medien : Nordsee, Mordsee

Der Film „Tsunami“ ist eine Mischung aus spannendem Thriller und friesischen Anekdoten

Simone Schellhammer

Als Hans-Hinrich Koch im vergangenen Jahr an Weihnachten im Fernsehen die Meldungen über die Tsunami-Katastrophe in Südasien hörte, stutzte er im ersten Moment. „Na, jetzt übertreibt es Pro Sieben aber etwas“, dachte er. „Jetzt werben die für unseren Film schon auf anderen Sendern.“ Man will es ihm kaum glauben, offenbar war Koch so auf seinen Film gepolt, den er zwei Monate zuvor abgedreht hatte, dass er die Katastrophe im Indischen Ozean damit verwechselte. „Tsunami“ heißt der Film, den er als Autor und Produzent verantwortete. Eine Riesenwelle bedroht darin die Insel Sylt. Die Ausstrahlung war ursprünglich für dieses Frühjahr geplant und wurde dann auf Grund der aktuellen Ereignisse verschoben. Jetzt läuft er am Donnerstag in der ursprünglichen Fassung und verspricht gute Quoten für den Sender.

Außer dem Titel – der beim Publikum mittlerweile nicht mehr näher erklärt werden muss – hat der Thriller allerdings wenig mit der tatsächlichen Katastrophe gemein. Hier entsteht die Riesenwelle durch geheime Bohrungen in der Nordsee. Eine Gasfirma ist dort auf der Suche nach Methanhydrat, einem Brennstoff, in dem Experten tatsächlich eine Alternative zum Erdöl sehen. Der skrupellose Projektleiter Kramlick (Dan van Husen, dessen wunderbar böses Gesicht großartig ausgeleuchtet wird) schlägt die Warnungen seines Umweltschutzbeauftragten Wieland in den Wind und ordnet riskante Sprengungen an, um die Größe des Methanhydrat-Feldes zu bestimmen. Als Wieland plötzlich ums Leben kommt, gelangt sein Freund Jaan (Kristian Kiehling als bezaubernder Surfer) in den Besitz der Risikoanalyse über die Sprengungen, die kurz darauf eine Bodenverschiebung und damit eine erste große Welle auslösen. Der Sylter Strand wird überrollt, es gibt viele Verletzte. Jaan versucht zusammen mit der jungen EU-Beamtin Svenja (Anja Knauer), die illegalen Aktivitäten der Gasfirma zu stoppen. Doch als der geldgierige Kramlick schließlich alle vorhandenen Sprengladungen zündet, rollt ein gigantischer Tsunami auf die Insel zu.

Wasser ist zusammen mit Feuer und Rauch eine der größten Herausforderungen für Computeranimationen. Und angesichts des offenbar schmalen Budgets ist dem Team um Regisseur Winfried Oelsner, der ebenso wie Hans-Hinrich Koch Absolvent der Ludwigsburger Filmakademie ist, Beachtliches gelungen. Zwar entstanden nur sieben der 98 Filmminuten am Computer, doch dafür entwickelte die Produktionsfirma Avindependents eineinhalb Jahre lang eine spezielle Software. Die braucht für zwei Sekunden Film zwei Tage, an denen der Computer ausschließlich rechnet. Fließgeschwindigkeit, Spritzwasser, Oberflächenstruktur und vor allem die Lichtbrechung wollen bedacht werden. „Im Gegensatz zu ,Der Sturm‘ von Wolfgang Petersen entsteht unsere Welle am Tag“, sagt Hans-Hinrich Koch. „Das heißt, man sieht alles, und zwar ganz genau.“ In der Tat kann man als Zuschauer kaum glauben, dass nur zwei Unterwasseraufnahmen einer Welle reale Bilder sind und alles andere künstlich erzeugt wurde.

Für Schauspieler ist es immer schwer, in Katastrophenfilmen aufzutreten, deren gewaltige Bilder man sich beim Drehen als Akteur nur vorstellen kann. Doch das Drehbuch, das eine lange Vorlaufzeit für alle Figuren vorsieht, verhindert, dass die Schauspieler nur Statisten vor einem Bluescreen sind. Andererseits muss sich der Zuschauer allerlei friesische Anekdoten anhören, bis der Kampf gegen die Riesenwelle so richtig losgeht.

„Tsunami“: Donnerstag, 20 Uhr 15, Pro 7

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