Normal halt : Zwei Morde

Am vergangenen Sonntag war Geburtstag beim "Tatort", am heutigen Sonntag ist wieder beim "Tatort" „Familienbande“, das ist ein konventioneller Krimi aus Köln.

In der Kühlkammer beginnt die Fahndung von Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, links) und Freddy Schenk (Dietmar Bär). Foto: ARD
In der Kühlkammer beginnt die Fahndung von Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, links) und Freddy Schenk (Dietmar Bär). Foto: ARDFoto: WDR/Willi Weber

Der kleine Mark wird erfroren im Kühlhaus eines Wild- und Geflügelhandels gefunden. War es ein Unfall oder ein Mord? Aber aus welchem Grund sollte jemand das Kind einsperren und dabei seinen Tod in Kauf nehmen? Die Kommissare Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Schenk (Dietmar Bär) ermitteln in einer Familientragödie. Es finden sich mehrere Verdächtige, und es kommt zu einem zweiten Mord. Am Ende, nach 90 Minuten eher konventioneller Krimi-Unterhaltung, sind die Bösewichter gestellt. So läuft das im „Tatort“, Deutschlands liebster Krimireihe. Jubiläum war gestern, jetzt kehrt wieder der Alltag ein.

Auf den Sonderling Felix Murot (Ulrich Tukur) folgt eine Woche später Routine aus Köln. Oder doch nicht ganz: Denn die Kommissare müssen sich in ihrem 48. Fall ausnahmsweise nicht an einem „gesellschaftlich relevanten Thema“ abarbeiten. Der durchaus enthaltene soziale Sprengstoff – eine Ehefrau und Mutter verliebt sich in einer Kleinstadt in eine andere Frau – bleibt angenehm im Hintergrund. Der Fall mit dem Titel „Familienbande“ ist keine plakative Anklage gegen Lesben-Mobbing oder die Intoleranz rheinischer Provinzler, sondern ein unterkühlt inszeniertes Beziehungsdrama (Regie: Thomas Jauch).

Das Drehbuch von Hans Werner und Peter Goslicki verschont das Publikum mit engagiert-kritischen Merksätzen, leider verschont es die Zuschauer auch mit übermäßiger Spannung. Und in einem überflüssigen Nebenstrang der Handlung wird die Geschichte von Melanie (Karoline Schuch), der Tochter von Kommissar Schenk, weitererzählt, die Probleme mit dem Erwachsenwerden und der jungen, schnöseligen Mitarbeiterin der Arbeitsagentur hat. Arbeitslosigkeit und eine lahme Bürokratie, die die Hartz-IV-Auszahlung verschleppt – da ist er dann doch wieder, der sozialkritische Anspruch des Kölner „Tatorts“. Nur was das in diesem Krimi zu suchen hat, bleibt ein Rätsel.

Im eigentlichen Fall beschuldigt der Vater des Opfers, Bernd Bürger (Mark Waschke), die alleinstehende Besitzerin des Wild- und Geflügelhandels, Iris Findeisen (Anna Schudt), des Mordes. Da ist auch Eifersucht mit im Spiel, denn seine Frau Nadja (Katharina Lorenz) hatte mit Iris eine Affäre. Nach dem Tod des einzigen Kindes ist die Ehe gescheitert. Nadja verlässt ihren Mann und zieht zu Iris, also zu der Frau, die des Mordes an Mark verdächtigt wird. Das ist für Nadjas Mutter (Petra Kelling) schwer zu verkraften.

Eine starke Geschichte ist das, eine ungewöhnliche Konstellation, und eine Weile schaut man gerne zu, wie sich die Figuren und Beziehungen konzentriert und in aller Ruhe entwickeln. Die Tragödie ist groß, doch niemand von den Schauspielern übertreibt es mit den Gefühlsausbrüchen. Aber auf die Dauer wirkt dieser Film, der überwiegend aus den üblichen Befragungen und etwas steifen Dialogen besteht, der ohne allzu große überraschende Wendungen auskommt, statisch und ermüdend. Eben doch wieder Hausmannskost statt Jubiläums-Festschmaus. Ballauf und Bär sind sympathische Typen, aber ihre Fälle und Filme zählten zuletzt nicht gerade zu den „Tatort“-Highlights. Zusammen mit den komischen Münsteraner Ermittlern besetzt der WDR jährlich fünf bis sechs Sendeplätze im Ersten. Obwohl die Quoten herausragend sind, müssen beide Teams womöglich in Zukunft etwas zurückstecken, denn der Sender erwägt, ein drittes Team ins Rennen zu schicken. Es wäre nahe liegend, es im Ruhrgebiet anzusiedeln, wo zurzeit nur noch Schimanski unterwegs ist. „Das Ruhrgebiet ist eine interessante Gegend, aber es gibt noch andere interessante Gegenden“, sagte WDR-Sprecherin Barbara Feiereis. Es sei „alles andere als irgendetwas beschlossen“.

„Tatort: Familienbande“, 20 Uhr 15, ARD

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