Medien : Notierungen: Nach 19 Jahren Haft

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Ob er auf seine Freiheit hofft, im Jahre 2008 oder später? Günter Gaus fragt das, er fragt den inhaftierten RAF-Terroristen Christian Klar. Mehr als eine halbe Stunde reden da die beiden schon miteinander, und Klar, 49, muss ein wenig lächeln. Es ist der einzige Moment einer Gefühlsregung. Freiheit? Nach 19 Jahren im Gefängnis?

Christian Klar galt als führender Kopf der Roten Armee Fraktion. Er ist zu einer Strafe von fünfmal lebenslänglich plus 15 Jahren verurteilt. Zur Last gelegt wird ihm unter anderem der Mord an Hanns-Martin Schleyer.

Nun konnte Günter Gaus mit Klar sprechen, im Gefängnis von Bruchsal (ORB, um 21 Uhr 25). Vor fünf Jahren noch hatte das baden-württembergische Justizministerium solche Anfragen abgelehnt. Klar, hieß es, habe sich nicht von der "Ideologie der Gewaltbereitschaft distanziert". Für ein Interview, das damals im "SZ-Magazin" erschien, waren Fragen und Antworten schriftlich hin- und hergeschickt worden. Klar bezeichnete darin die RAF als "Geschichte".

Es fällt ihm heute schwer, darüber zu reden. Zu sehen ist ein gezeichneter Mensch, der mühsam nach Worten sucht. Sein badischer Tonfall stockt. Der hagere Körper steckt in einem schwarzen T-Shirt, Kopf und Augen wirken übergroß. Gaus fragt nach Glück, Familie, Schuld, der künstlichen RAF-Sprache. Christian Klar versucht, sich zu konzentrieren, im Verlauf der 45 Minuten gelingt das tatsächlich etwas besser. Ob er Pläne machen kann? "Nicht wirklich."

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