Notwendiges Fernsehexperiment? : RTL-Reporter pfeift sich harte Drogen rein

Drogenrausch für Privatsender RTL: Jenke von Wilmsdorff will vor den Gefahren des Konsums warnen. Die Quote stimmte zumindest.

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Ecstasy, Ritalin, K.o.-Tropfen - RTL-Reporter Jenke von Wilmsdorff probiert aus, was Drogen aus ihm machen.
Ecstasy, Ritalin, K.o.-Tropfen - RTL-Reporter Jenke von Wilmsdorff probiert aus, was Drogen aus ihm machen.Foto: RTL / Jžrgen Schulzki

Das RTL-Format, Jenke von Wilmsdorff setzt auf Authentizität: Ich setze mich dem aus, worüber ich berichten will. Original eben statt nur originell. Abenteuer-Fernsehen, Echtzeit-Fernsehen, Stellvertreter-Fernsehen – wann setzt sich Jenke von Wilmsdorff die Pistole an den Kopf?

Am Montag hat RTL-Extremreporter Jenke von Wilmsdorff in seiner Reihe „Das Jenke-Experiment“ harte Drogen getestet; 2014 hatte der heute 50-Jährige mit weichen Suchtstoffen wie Cannabis angefangen. Jenke also nahm für die Fortsetzung unter medizinischer Aufsicht unter anderem Ecstasy und LSD ein, berichtete von Glücksgefühlen, aber auch von Depressionen danach. Von Wilmsdorff sagte der „Bild“, er habe die Wirkung der Drogen authentisch beschreiben wollen. „Es war mir wichtig zu zeigen, dass man den Glücksrausch teuer bezahlen muss.“

Medienanstalt prüft Sendung


Möglicherweise hat das Experiment auch für RTL Konsequenzen. Die niedersächsische Landesmedienanstalt (NLM) als Prüfbehörde für den Privatsender wird sich die jüngste Ausgabe der RTL-Sendung „Das Jenke-Experiment" genau anschauen. Dann werde sich zeigen, ob ein Anfangsverdacht bestehe und gegebenenfalls ein formelles Verfahren wegen Verstößen gegen den Jugendschutz eingeleitet werde, erklärte die NLM am Dienstag auf epd-Anfrage. RTL jedenfalls ist sich seiner pädagogischen Sache sicher: „Wir dokumentieren das Thema, anstatt es zu tabuisieren“, sagte eine Sendersprecherin. „Drogenkonsum werde nicht verherrlicht, sondern eingeordnet, um vor den zerstörerischen Konsequenzen zu warnen.“ Im Quotenmaßstab hat das Drogen-Experiment funktioniert. Die Sendung interessierte ab 21.15 Uhr 3,88 Millionen Menschen (14,2 Prozent). In der für den Privatsender wichtigen Zielgruppe der 14- bis 59-Jährigen lag der Marktanteil bei hohen 20,3 Prozent.

„Wir setzen uns mit dem Thema Drogensucht auseinander, weil es in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen und damit höchst relevant ist“, hieß es von RTL. „Dazu gehört die dokumentarische Darstellung des Missbrauchs und auch die berauschende Wirkung der Drogen, die ja die Sucht erst auslöst.“ Ein Sprecher der Kölner Staatsanwaltschaft sagte auf dpa-Anfrage, sobald der Anfangsverdacht einer Straftat vorliege, sei man von Amtswegen verpflichtet, aktiv zu werden. Erstmal müsse aber geprüft werden, was in der Sendung am Montag passiert sei.

Das waren "legal highs", sagt RTL


Für Reporter von Wilmsdorff, der in Selbstversuchen bereits über Themen wie Leben mit Behinderung, Altern, Tod oder Alkohol berichtete, war dies nach März 2014 die zweite Auseinandersetzung mit Drogen - und das völlig gesetzeskonform, wie RTL meint. Bei den benutzten Drogen habe es sich um sogenannte „legal highs“ gehandelt. „Die Stoffe können in Deutschland legal gekauft werden, da sie nicht in den Anlagen des Betäubungsmittelgesetzes aufgeführt sind“, zitiert RTL seinen beratenden Forensischen Toxikologen des Universitätsklinikum Freiburg, Volker Auwärter.

„Durch die professionelle Begleitung war das Risiko überschaubar und kontrollierbar“, meinte Auwärter weiter. Die Dosierung sei mit ihm besprochen und in einem Bereich gehalten geworden, der zwar zu einer Wirkung führe, aber keine Vergiftung verursache. „Bei den Experimenten war immer ein ausgebildeter Rettungssanitäter anwesend.“ Einen Nachahmungseffekt befürchtet er nicht. „Präventionsarbeit erfordert die realistische Darstellung der positiven Wirkungen und der Risiken. Ansonsten verliert sie ihre Glaubwürdigkeit und erreicht das Gegenteil des gewünschten Effekts.“ (mit epd und dpa)

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