Medien : „Nur deutsche Produzenten werden behindert“

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Herr Schnoor, Sie haben früher Themen und Product Placement an die Vorabendserie „Marienhof“ und an den „Tatort“ vermittelt. Gestern haben die ARDIntendanten ein striktes Verbot von Schleichwerbung beschlossen. Müssen Sie sich einen neuen Beruf suchen?

Nein, ich verlege mich mehr aufs internationale Geschäft. Im Ausland ist Product Placement erlaubt. VW hat ja letztens gerade einen 25-Millionen-Dollar-Deal mit einem US-Filmstudio abgeschlossen. Kauft ein deutscher Fernsehsender US- Filme, die Product Placement enthalten, steht in den Lizenzverträgen meistens ausdrücklich drin, dass das Placement nicht herausgeschnitten werden darf und manchmal sogar übersetzt werden muss. Ein Justiziar einer Sendeanstalt muss entscheiden, ob es im öffentlichen Interesse ist, dass ein solcher Film trotz Product Placement gezeigt wird. Meistens ist es das. Nur die deutschen Produzenten werden also behindert.

Arbeiten Sie mit deutschen Privatsendern zusammen?

Dazu sage ich nichts.

Und mit der ARD?

Die ARD ist für uns tabu. Nicht erst seit dem Beschluss vom Dienstag, sondern seitdem die angebliche Schleichwerbungsaffäre die Öffentlichkeit beschäftigt.

Finden Sie die ARD scheinheilig?

Schon. Wir hatten ja in Verträgen mit den ARD-Töchtern Bavaria oder Maran Stillschweigen über die rechtsfreie Situation vereinbart. Die ARD bricht einfach die Vereinbarungen der Töchter. Und das Geld, das geflossen ist, behält sie auch.

Das ist das Risiko, wenn man sich im rechtsfreien Raum bewegt.

Die EU-Kommission wird das Product Placement bald sowieso legalisieren, es muss dann nur in Vor- und Abspann ausgewiesen sein. Das finde ich auch zeitgemäß, denn Produkte, Werbung und Programm vermischen sich immer mehr.

Das Interview führte Barbara Nolte

Andreas Schnoor vermittelt mit seinen Firmen H + S und Kultur + Werbung Product- und Themen-Placement an Film- und Fernsehproduktionen.

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