Medien : Nur für Frühaufsteher

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„Der frühe Vogel fängt den Wurm“, „Morgenstund hat Gold im Mund“… Es gibt viele Volksweisheiten, um Menschen weis zu machen, frühes Aufstehen sei etwas Lohnenswertes. Das hat sich auch nach der Einführung des Fernsehens nicht geändert. Und in der Tat, auch der frühe Zuschauer kriegt schon ein gutes Programm serviert, sozusagen zwischen Schrippe und Kaffee.

Seit nunmehr zehn Jahren kann der Zuschauer bereits morgens um halb sechs den Fernseher anschalten und wird von den Moderatoren des gemeinsamen öffentlich- rechtlichen „Morgenmagazins“ von ARD und ZDF begrüßt. Was damals unter dem hübsch bürokratischen n „Teil der Schließung der Nachtlücke“ ins Programm genommen wurde, hat sich zu einem recht kreativen und obendrein festen Bestandteil deutscher Frühstückskultur entwickelt. Fast wie in Amerika, dem Mutterland des Frühstücksfernsehens.

Die Vorgeschichte begann 1991 im Golfkrieg, als das Bedürfnis nach früher Information über aktuelle Geschehnisse besonders groß war. Das Licht der Welt erblickte das „Morgenfernsehen“ dann im Juli 1992. Seither hat es sich ordentlich gemausert. Es hat sich einen Marktanteil von 23,5 Prozent erobert und liegt damit klar vor der privaten Konkurrenz. Täglich wählen 3,5 Millionen Zuschauer mit ihrer Fernbedienung gezielt das öffentlich-rechtliche Frühstücksfernsehen an.

Es lebe der Unterschied: ARD und ZDF senden im wöchentlichen Wechsel von zwei verschiedenen Standorten: aus Berlin und Köln. Sie haben unterschiedliche Ideen für Moderationen, Sendeformate oder abweichende Vorstellungen von der Gestaltung der Sendung. Macht aber nichts, sagt ARD-Redaktionsleiter Johannes Kaul, das sei doch eher anregend.

Das soll nun auch gemeinsam gefeiert werden: Zwei Wochen lang, beginnend mit dem 8. Juli, gehen Kaul und seine Kollegin vom ZDF, Redaktionsleiterin Bettina Schausten, mit einem zehn Jahre alten Satelliten-Übertragungswagen als Reporter auf Deutschlandreise. Zum Jubiläumsprogramm besuchen sie Menschen und Orte, von denen das „Morgenmagazin“ in den vergangenen zehn Jahren berichtet hat: zum Beispiel von den Kali-Kumpeln in Bischofferode, von Bonn und seinen Einwohnern nach dem Regierungsumzug, von Dresden beim Wiederaufbau der Frauenkirche.

Was hat sich in der Zwischenzeit getan? „Wir sind nicht die Letzten am Ende eines Tages, sondern die Ersten am Anfang eines neuen Tages“, sagt Bettina Schausten. Das wissen Schröder, Stoiber und Konsorten auch, weshalb sie trotz der frühen Stunde gerne zu Gast sind beim „Morgenmagazin“. Denn was sie hier sagen, wird den ganzen Tag über zitiert. Auch viele andere Prominente hocken sich hier aufs Sofa: Dennis Hopper, Peter Fonda, Mario Adorf oder Joachim Fuchsberger. Viele sind noch von Müdigkeit geplagt, deshalb behält Hannelore Elsner schon mal die Sonnenbrille auf. Und Esther Schweins quält sich durch Frühpoesie: „Der späte Fisch entwurmt die Katze“. Oder so. Lena Bodewein

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