Medien : Nur gegen Bezahlung

„Law and Order“: Der Pay-TV-Sender 13th Street plant eine Talkshow mit Michel Friedman

Ulrike Simon

Die zweite Chance, um die Michel Friedman seit Juli vergangenen Jahres bittet – jetzt bekommt er sie. Seit dem 7. Juli 2003 ist Michel Friedman vorbestraft. Er hatte gekokst und sich im Berliner Hotel Intercontinental mit illegal aus Osteuropa eingeschleusten Huren amüsiert. Daraufhin legte er sämtliche öffentliche Ämter nieder und gab seine Talkshows „Friedman“ (hessen fernsehen) und „Vorsicht! Friedman“ (ARD) auf. Er tauchte ab, war in Nizza nur für engste Freunde zu erreichen. Dann kehrte er zurück. In einer Pressekonferenz erklärte er Lebensgefährtin Bärbel Schäfer seine Liebe, dann folgten nacheinander die Nachrichten, dass er in den Aufsichtsrat der Wall AG geht, dass er im Aufbau-Verlag Herausgeber wird, dass er Kolumnist bei „Max“ wird. Die Berliner Produzentin Regina Ziegler lud ihn zu einem Essen unter Freunden aus der Medienszene. Es folgte der Versuch eines Fernseh-Comebacks. Am Sonntag, dem 2. November 2003, war Michel Friedman erstmals wieder auf dem Bildschirm als Gast von Sabine Christiansen. Tags drauf war er der Gast im „Grünen Salon“ (n-tv), bei dem er sich ungerecht behandelt fühlte und auf die Fragen der Moderatoren unsouverän und beleidigt reagierte. Seitdem hört man von Friedman nichts mehr.

Das könnte bald wieder anders sein. Der Sender, der sich um ihn erfolgreich bemüht hat, ist 13th Street. Der von Universal Studios veranstaltete Pay-TV-Kanal ist nur für Abonnenten von Premiere zugänglich. Nach Senderangaben schauen bei 13th Street an guten Abenden durchschnittlich 100 000 Menschen zu.

Schon seit einigen Jahren verfolgt 13th Street ein Konzept, bei dem der Sender Prominente passend zum Programmumfeld als Moderatoren gewinnt. In dieses Konzept soll sich nun Michel Friedman einreihen. Nina Hagen zum Beispiel durfte in entsprechendem Outfit und passender Kulisse Gruselfilme ansagen und zwischen den Filmen Spukgeschichten zum Besten geben. Alice Cooper wurde einmal für Dracula-Filme engagiert, Marianne Rosenberg moderierte mit einer Krähe auf dem Arm so genannte „Vollmondnächte“, und bei Ralph Möller ging es um Actionfilme. In dieser Logik überlegte sich 13th Street nun, welcher Prominente zur Erstausstrahlung von Folgen der überaus erfolgreichen amerikanischen Serie „Law and Order“ passt.

„Law and Order“ ist eine Krimiserie, die nicht nur zeigt, wie ein Verbrechen aufgeklärt wird, sondern auch, wie die Justiz in New York die Fälle weiterverfolgt. Es geht um Morde in der High Society, um Vergewaltigung, Korruption in der Politik und um Rassismus. Die Ermittlungen, die Beweisführung werden en détail gezeigt, und am Ende gibt es vor Gericht immer einen Showdown. Von März an wird 13th Street die Serie ausstrahlen. Werktags, von 20 Uhr 13 an, pro Abend werden zwei Folgen gezeigt.

Ein Anwalt sollte diese Abende moderieren, dachten sich die Programmmacher von 13th Street. Ein prominenter Anwalt. Einer wie Rolf Bossi oder Joachim Steinhöfel, der mal für den Media-Markt die „Ich bin doch nicht blöd“-Werbung machte. Letztlich kam der Sender auf Michel Friedman. Es gab ein Treffen – Friedman zeigte sich angetan.

Während seine prominenten Vorgänger Marianne Rosenberg oder Ralph Möller zwischen den Filmen nur moderierten und Geschichtchen erzählten, geht das Konzept für Michel Friedman weiter. Er soll eine Talkshow bekommen, bei der er den jeweils in der Fiction-Serie „Law and Order“ behandelten Fall mit einem oder zwei Gästen diskutiert. Das Konzept sieht vor, dass er möglichst mit einem international tätigen Anwalt darüber spricht, wie dieser Fall in Deutschland behandelt würde, worin die Unterschiede zwischen dem amerikanischen und dem deutschen Rechtssystem bestehen usw. Zugute kommen sollen Friedman seine Kenntnisse als Jurist und Inhaber einer Frankfurter Anwaltskanzlei.

Noch ist offen, wie oft Friedman bei 13th Street zu sehen ist. Die Rede ist von einem wöchentlichen, zweiwöchentlichen oder monatlichen Rhythmus. Auch der Titel der Talkshow steht nicht fest. Kurz vor Abschluss stehen jedoch die Verhandlungen mit der Produktionsfirma. Eine Münchner, eine Kölner, aber auch eine Berliner sind im Gespräch. Es ist jedoch nicht AVE, die Friedmans bisherige Talkshows produziert hat. Im Gespräch als Co-Produzent ist vielmehr Michael Heiks, Geschäftsführer der Sabine-Christiansen-Produktionsfirma TV 21.

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