Medien : Ode an die Bude

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Andere Leute frisieren ihre Haare, vielleicht auch noch ihre Autos, Theo Zerrback (Uwe Ochsenknecht) frisiert seine Milchtüten. Handschriftlich verschiebt der Kioskbesitzer das Verfallsdatum ein wenig nach hinten. Auch sonst geht es recht skurril zu an seiner Bude, die gerade einen „Sonderpreis für den unverfälschtesten Kiosk im Revier“ gewonnen hat. Gattin Christa (Katharina Thalbach) hat sich für den Preis furchtbar geschämt, weil sie bemerkte, dass hier wohl eher der schäbigste Kiosk gemeint war. Und als Theo kurz darauf nach verzockter Pferdewette und Herzinfarkt das Zeitliche segnet, ist sie hin- und hergerissen zwischen Flucht aus der Tristesse und trotzigem Ausharren. Ein Heimatmärchen, mal fantastisch und komisch, mal sentimental und ernst, bietet die ARD mit „Harte Brötchen“ von Sylvia Leuker (Buch) und Tim Trageser (Regie). Der Fernsehfilm um 20 Uhr 15 ist eine Liebeserklärung an die Budenkultur im Ruhrgebiet. „Eine sehr tragikomische Welt“, findet Autorin Leuker. Sie muss es wissen, ihre Eltern betreiben seit über vier Jahrzehnten in Mülheim einen Kiosk. Beim „Pläuschken anne Bude“ lebe das alte Ruhrgebiet weiter.

Mit Katharina Thalbach wurde die Idealbesetzung für die Hauptrolle gefunden, auch wenn die Schauspielerin aus Berlin stammt. Die einfache Frau, die mit großen Mädchenaugen von Liebe und einer besseren Zukunft träumt und sich im nächsten Augenblick in ein verzweifelt-komisches Energiebündel verwandeln kann, das ist eine ihrer Paraderollen. Gemeinsame Projekte mit Tochter Anna sind keine Seltenheit, doch in „Harte Brötchen“ stehen die Thalbachs erstmals auch als Mutter und Tochter vor der Kamera. Nur schade, dass Uwe Ochsenknecht manchmal so albern herumhüpft, und dass man auch in diesem Ruhrgebietsfilm meinte, nicht auf den unvermeidlichen Taubenzüchter verzichten zu können.tgr

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