Öffentlich-rechtlicher Rundfunk : Das Erste will nicht das Letzte sein

Nach dem ZDF startet auch die ARD eine Mediathek. Das Angebot soll kostenlos sein. Derweil löst das Gebührenurteil bei den Intendanten keinen Champagnerrausch aus.

Joachim Huber

Was das Zweite kann, das muss das Erste schon lange können. Also wird die ARD spätestens im November starten, was beim ZDF bereits läuft – eine Mediathek, die bereits ausgestrahlte Sendungen im Internet zum „Nachsehen“ vorhält. Das ZDF-Angebot versammelt dabei immer das Fernsehprogramm der vergangenen sieben Tage, manche Beiträge bleiben auch länger in diesem „Abruf-Fernsehen“ verfügbar. Die Mediathek der ARD ist bimedial aufgestellt, da sie Fernseh- und Radiosendungen in der Regel sieben Tage nach Ausstrahlung zum Herunterladen anbietet. Für die Nutzer soll diese Archivfunktion kostenlos sein, analog zum ZDF und anders als bei den privaten Veranstaltern, die für Downloads ihrer Sendungen Geld verlangen. „Was der Gebührenzahler mit seiner Gebühr schon bezahlt hat, das gehört ihm“, sagte der ARD-Vorsitzende Fritz Raff nach der Intendantenversammlung in Köln. Mit der Einführung der Mediathek will die ARD zugleich das Genehmigungsverfahren für neue digitale Projekte testen. Nach Maßgabe der EU-Kommission muss dieser dreistufige „Public Value“-Test für Projekte von ARD und ZDF bis voraussichtlich 2009 eingeführt sein. Dabei muss erläutert werden, warum das Angebot dem Gemeinwohl dient. Auch Marktkonkurrenten wie private TV-Anbieter können sich in dem Verfahren äußern.

Künftig fünf Stunden Nachrichten auf Eins Extra

Ein weiteres Projekt im digitalen Bereich ist der Ausbau von Eins Extra zum Informationskanal. An Werktagen gebe es dort künftig elf Stunden Nachrichten, kündigte ARD-Programmdirektor Günter Struve an. Das sei ein Alleinstellungsmerkmal. Raff fügte hinzu, dass die ARD dem ZDF angeboten habe, gemeinsam einen Informationskanal aufzubauen. „Wir waren bereit, es zu machen“, sagte Raff. Das ZDF habe sich aber anders entschieden und verfolge eigene Pläne. Beim Kinderkanal Kika und bei Phoenix arbeiten ARD und ZDF zusammen.

Die Erhöhung der Rundfunkgebühren 2009 wird nach ARD-Plänen trotz des Bundesverfassungsgerichtsurteils nicht höher als die zu erwartende Inflationsrate liegen. „Wir haben unseren Bedarf für die neue Gebührenrunde äußerst zurückhaltend angemeldet“, sagte Raff. Im Mai hatte MDR-Intendant Udo Reiter den angemeldeten ARD-Bedarf auf zusätzlich 95 Cent pro Monat beziffert. Das ZDF kalkuliert mit rund 50 Cent plus.

„Wir haben gestern Kölsch getrunken und keinen Champagner“, schilderte Raff die Reaktionen der ARD-Intendanten zum Gebührenurteil. Die Richter hatten zwar die Kürzung der vorgeschlagenen Erhöhung 2005 beanstandet, den Ländern aber zugestanden, in wirtschaftlich angespannter Lage den Gebührenzuschlag zu kürzen. 

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