Ösi mit Ambition : Ein Himmelreich für Deutschland

Red-Bull-Erfinder Dietrich Mateschitz will mit seinem österreichischen Sender Servus TV im deutschen Fernsehmarkt expandieren. Gerade er hat die Rechte für die Eishockey-Bundesliga gekauft.

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Fahrt aufnehmen in Deutschland will der Sender Servus TV unter anderem mit Talksendungen wie „Einfach Kathi“, zu der oft deutsche Schauspieler eingeladen werden. So war Wolfgang Fierek am Freitag bei Moderatorin Kathi Wörndl zu Gast. Foto: Servus TV
Fahrt aufnehmen in Deutschland will der Sender Servus TV unter anderem mit Talksendungen wie „Einfach Kathi“, zu der oft deutsche...

Dietrich Mateschitz ist als Marketinggenie bekannt. Er hat das Energiegetränk Red Bull groß gemacht und sich ein Sport-und Medien-Imperium aufgebaut, zu dem seit drei Jahren auch der Alpensender Servus TV mit Sitz im österreichischen Wals-Himmelreich gehört – und den will der umtriebige Mateschitz nun auch in Deutschland groß machen.

Die Verpflichtung von deutschen Ex-TV-Größen wie Fritz Pleitgen, Hellmuth Karasek, Elke Heidenreich oder Ruprecht Eser als Moderatoren verschiedener Sendungen war im vergangenen Jahr ein erster, kleiner Schritt, der immerhin gelegentlich das Interesse deutscher Medien und einiger Zuschauer auf den ambitionierten Salzburger Sender lenkte. Hinzu kamen eine Reihe bemerkenswerter Produktionen wie eine international beachtete Dokumentation über den Dirigenten Carlos Kleiber, die mit einem „Echo“ für die Musik-DVD-Produktion des Jahres ausgezeichnet wurde, oder Scoops wie den medienscheuen Neil Armstrong oder den Dalai Lama in den „Talk im Hangar 7“ zu locken. Doch den Durchbruch beim nördlichen Nachbarn brachte das nicht. Nun aber soll das Mauerblümchendasein ein Ende haben.

Gemeinsam mit der Münchner Sportrechte- und Marketing-Agentur The Sportsman Media Group gab Servus TV jetzt bekannt, dass die Österreicher die Fernsehrechte für die Deutsche Eishockeyliga (DEL) erworben haben – ein Novum in der deutschen TV-Rechtegeschichte. 18 Jahre lang liefen die Spiele auf dem Bezahlsender Sky mehr oder weniger unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Nur acht Spiele wurden pro Saison live auf dem Free-TV-Sender Eurosport gezeigt, wo durchschnittlich 150 000 Zuschauer die Übertragungen verfolgten. Thomas Krohne, Vorstandsvorsitzender von The Sportsman, ist überzeugt, „dass mehr Potenzial vorhanden ist.“

Die Agentur arbeitet schon lange Jahre mit Red Bull und der Österreichischen Eishockeyliga zusammen. „Da liegt es nahe, dass man als deutsch-österreichisches Unternehmen mit Servus TV über das Thema Deutsche Eishockeyliga nachdenkt“, so Krohne. Die Übernahme verlief offenbar problemlos. „Im Ergebnis haben wir der DEL ein ganzheitliches mediales Konzept anbieten können, das unter anderem auch die komplette Betreuung der DEL-Website, die Vermarktung sowie das Suchmaschinen- und Social-Media-Marketing umfasst, das hat die DEL überzeugt. Dann haben wir eine Vereinbarung geschlossen, sind zu Servus TV gegangen und haben die Rechte angeboten.“

Rund drei Millionen Euro soll Sky den 14 Klubs pro Jahr gezahlt haben, der neue Vertrag soll sich in einem ähnlichen Bereich bewegen. Ab Mitte September beginnen die Übertragungen auf Servus TV, jeden Sonntag wird um 17 Uhr 45 ein Spiel live gezeigt. Zusätzlich gibt es Zusammenfassungen der anderen Spiele vom Tag, und für Freitagabend ist ein einstündiges Eishockey-Magazin geplant.

Das klingt erst mal nicht besonders spektakulär. Weiß man aber, auf welches Niveau Servus TV in den letzten zwei Jahren die Eishockeyübertragung der österreichischen Erste-Bank-Eishockeyliga gehoben hat, sollten deutsche Eishockeyfans den Sender schon mal in ihren Suchlauf eingeben: 14 Kameras, Mikros in den Banden, alle Spieler und Schiedsrichter verkabelt, um möglichst kein Wortgefecht zu verpassen, Bilder selbst aus den Kabinen heraus und alles in HD. „Das ist eine neue Dimension in der Eishockeyübertragung“, sagt Servus-TV-Sprecher Jens Tiedemann. Die anspruchsvollen Übertragungen bedeuten aber auch eine große logistische und personelle Herausforderung. Jede Woche in einem anderen Stadion, nicht mehr nur in Österreich, sondern in ganz Deutschland: da kommt einiges auf den kleinen Sender zu. „Ein großer Aufschlag“, sagt Tiedemann.

Der Plan beider Parteien, durch den ungewöhnlichen Deal mehr Zuschauer zu erreichen, könnte durchaus aufgehen. „Unsere Reichweite war anfangs viel weniger entwickelt, mittlerweile liegen wir in Deutschland aber bereits bei 80 Prozent“, so Tiedemann. Welche Einschaltquote der Sender in Deutschland durchschnittlich erzielt und wie hoch die Werbeerlöse sind, dazu äußert er sich allerdings nicht.

Bisher ist Servus TV in Deutschland über Astra Satellit 19,2° zu empfangen sowie im Kabelnetz von Kabel Deutschland, Unitymedia, Kabel BW und via IP-TV mit Entertain der Deutschen Telekom. Der Empfang ist digital und in HD möglich.Durch den Vertrag mit dem DEL will Servus TV jetzt aber den einen oder anderen Kabelanbieter mehr überzeugen, den Sender in sein Angebot aufzunehmen.

Dadurch könnte auch die Empfangbarkeit im Berliner Raum erweitert werden, die vor allem bei Billy Flynn, Geschäftsführer der Berliner Eisbären, für leichten Unmut gesorgt hat. Auch wenn die Rückkehr ins Free-TV „ganz bestimmt der richtige Schritt für das Eishockey“ sei, sagte Flynn, müssten gerade die Berliner „momentan noch mit der schlechtesten Abdeckung leben, was ein Nachteil zum Beispiel gegenüber dem Münchner Raum ist.“ In Berlin-Brandenburg hat der Sender nach Angaben von Kabeldeutschland eine technische Reichweite von 1,3 Millionen Haushalten (bei knapp 2,6 Millionen angemeldeten Fernsehgeräten), in Bayern ist er zusätzlich auch analog empfangbar.

Der Sender versteht sich aber nicht als reiner Sport-, sondern als anspruchsvoller Kultur- und Unterhaltungssender. Zum forschen Expansionsplan gehört deshalb auch die überraschende Verpflichtung des bisherigen ZDF-Hauptredaktionsleiter Klaus Bassiner. Seit 1994 war der 57-Jährige in Mainz für Krimis und Serien verantwortlich, nun soll er ab Herbst bei Servus TV vor allem den fiktionalen Bereich ausbauen. Mit „Der Pate“ in HD und Neuproduktionen wie der Freitagabend-Talk „Einfach Kathi – resch & lieblich“, der ein wenig an „Inas Nacht“ erinnert, wurden bereits erste Markierungen gesetzt. Für die hochgelobte Kinodoku „Klitschko“ hatten sich die Österreicher sogar die exklusiven Deutschlandrechte gesichert.

Die Konkurrenzsituation hindert Servus TV nicht daran, vor allem im Dokumentarfilmbereich mit ARD und ZDF zusammenzuarbeiten, auch mit Arte und der italienischen RAI gibt es Kooperationen. Zum Teil laufen die Filme – darunter „Die Falle 9/11 – Ein Tag, der die Welt veränderte“ von Stefan Aust, „Ich, Putin“ und „Vom Traum zum Terror – München 72“ – zeitgleich im Öffentlich-Rechtlichen und bei Servus TV.

Die deutschen Mitbewerber reagieren auf die Frage nach dem Verhältnis zum alpenländischen Herausforderer zurückhaltend. „Kein Kommentar“, heißt es von ARD und ZDF. Gelassenheit hört sich anders an.

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