Medien : Oh, wie schön ist Polen

Vielleicht wäre das die Lösung für die polnische Regierung und ihr Problem mit den ach so bösen deutschen Medien: einfach eine eigene Zeitung machen. Mit positiven Geschichten. Antje Ritter-Jasinska aus Berlin macht genau das seit einem Jahr mit ihrer Freundin. Ihr Magazin „Polenplus“ widmet sich in deutscher Sprache dem anderen Polen, jenseits von Weltkrieg, Krautsalat und Homophobie. Der Pole ist heute Künstler, Unternehmer oder Priester, modern, ambitioniert und erfolgreich. Oder schwul, und das kann er auch in Polen laut sagen, ohne vertrieben zu werden. Es sei denn, er ist einer der knapp 35 000 Priester. So steht es in der November-Ausgabe mit dem Titel „MännerMachtSpiele“; ihr Land sei „deutlich über die mittelalterliche Finsternis hinaus“, ist da zu lesen.

Das Quartalsmagazin mit einer Auflage von 15 000 Stück richtet sich vor allem an Deutsche, hierzulande und auch in Polen, wo etwa 350 000 deutsche Bürger leben. Politik will das Blatt nicht machen, die Herausgeberinnen suchen Geschichten unterhalb der Regierungsebene, solche, „die von hinten durch den Mund ins Auge gehen“, sagt Ritter-Jasinska. Jede Ausgabe behandelt ein anderes Schwerpunktthema. In Heft eins war die polnische Wirtschaft dran, dann das „Savoir Vivre“ mit typisch polnischer Küche („Wenn die Därme Märsche blasen“) und einer Schwärmerei von Gesine Schwan, Präsidentin der Europa-Universität Viadrina, über ihre frühen Forschungen zum polnischen Marxismus. Zuletzt ging es um Theater, Galerien und Musik zwischen Kunst und Kommerz.

Und wie macht man sein eigenes Magazin? Geld bei Gönnern eintreiben, einen Verlag gründen und loslegen, sagt Ritter-Jasinska. Wäre doch was für Jaroslaw Kaczynski, falls es mit der Wiederwahl heute nicht klappt.liw

0 Kommentare

Neuester Kommentar