Medien : Ohne Gegenstimme

Lutz Marmor zum neuen NDR-Intendanten gewählt

Kurt Sagatz

Lutz Marmor, derzeit Verwaltungsdirektor und stellvertretender Intendant des WDR, ist am Freitagnachmittag mit überraschend eindeutigem Ergebnis zum neuen Intendanten des Norddeutschen Rundfunks (NDR) gewählt worden. Von den anwesenden 53 Mitgliedern des Rundfunkrates erhielt Marmor 51 Ja-Stimmen bei zwei ungültigen Voten, wie ein Sprecher der Vierländeranstalt dem Tagesspiegel sagte. Der Rundfunkrat folgte damit der Empfehlung des NDR-Verwaltungsrates. Neben Marmor wählte das Gremium am Freitag den Direktor des NDR-Rundfunkhauses in Hannover, Arno Beyer (52), zu Marmors Stellvertreter. Mit dem promovierten Germanisten Beyer ist erstmals ein Landesrundfunkdirektor zum Vize berufen worden. Seine Wahl gilt als Stärkung der Region.

Vor der Wahl hatte Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff für Missstimmung zwischen Landesregierung und Sender gesorgt. Wulff hatte die Kandidatur von NDR-Fernsehdirektor Volker Herres unterstützt. Es sei nicht Sache der Ministerpräsidenten, seinen Nachfolger zu finden, hatte der derzeitige Intendant Jobst Plog (66) erwidert. Der NDR ist der drittgrößte Sender im Verbund der ARD und beschäftigt 3600 fest angestellte Mitarbeiter.

Die Stärken von Lutz Marmor (53) wurden bislang vorwiegend im Bereich der Finanzen gesehen. Der studierte Betriebswirt und Unternehmensberater kam 1983 zunächst zum WDR, wechselte von dort 1991 zum neu gegründeten Ostdeutschen Rundfunk Brandenburg (inzwischen Teil des RBB). Von hier aus ging er 1995 als Verwaltungsdirektor zuerst zum NDR, 2006 zum WDR. Marmor, der kein Parteibuch besitzt, wird als linksliberal eingeschätzt und für seine verbindliche und uneitle Verhandlungsart – unter anderem in Fragen der Rundfunkgebühren – geschätzt. Eine besondere Leidenschaft verbindet den gebürtigen Kölner mit dem Karneval. Marmor wird zugetraut, dass er die Strukturen des Senders effizient, aber behutsam umbaut, um die anstehenden Aufgaben unter anderem bei der weiteren Digitalisierung anzugehen, ohne die öffentlich-rechtlichen Besonderheiten zu vernachlässigen.

Der derzeitige NDR-Intendant Jobst Plog gehört dem NDR seit 1977 an, ab 1980 als stellvertretender Intendant und von 1991 an in seiner jetzigen Position. Plog wird sein Amt ein Jahr vor Ablauf seines Vertrages am 15. Januar 2008 abgeben. Ende der 70er Jahre war er am Erhalt des Senders als Dreiländeranstalt für Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein beteiligt. Nach der Wiedervereinigung sorgte er dafür, dass Mecklenburg-Vorpommern sich dem NDR anschloss. Bei den Verhandlungen um den neuen NDR-Staatsvertrag 2005 wendete Plog eine weitere Gefährdung der Unabhängigkeit des Senders ab. Kurt Sagatz

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