Medien : Ohne Nebenwirkungen

Warum die harmlos-nette ARD-Serie „Familie Dr. Kleist“ so erfolgreich ist

Thilo Wydra

Die Grundgeschichte ist simpel und rasch erzählt: Arzt (Francis Fulton-Smith als Dr. Christian Kleist) in den besten Jahren ist verheiratet, hat einen Sohn und eine Tochter. Frau kommt bei Verkehrsunfall ums Leben, Arzt gibt Berliner Praxis auf und zieht nach Eisenach. Hier macht er eine neue Praxis auf, lernt die Rektorin (Christina Plate als Marlene Holstein) des Gymnasiums kennen, allein erziehende und überdies attraktive Mutter eines Sohnes. Die beiden verlieben sich …

Das mag alles noch nichts Besonderes sein, zumal, wie viele Arztserien und -reihen hat es nicht schon gegeben? Aber das Besondere an der von der Leipziger Polyphon (Produzentin: Beatrice Kramm) produzierten Serie „Familie Dr. Kleist“ sind die Quoten, die hier von Anbeginn an mit über Millionen Zuschauern geradezu sensationell hoch lagen und weiterhin liegen. Die erste, am 13. April gesendete Folge „Zurück auf Anfang“ hatte einen Marktanteil von 23 Prozent. Und das unter der Woche, wohlgemerkt. Es folgten die Folgen „Schweigepflicht“ (Marktanteil: 24,9 Prozent) am 20. April und „Der Traum vom Fliegen“ (Marktanteil: 23,6 Prozent) am 27. April. Heute nun, am 4. Mai, läuft die vierte Folge, „Angst um Elena“, und abermals dürften Werte über 20 Prozent zu erwarten sein.

Doch, was macht diesen Erfolg eigentlich aus?

Produzentin Beatrice Kramm definiert ihn so: „Diese in der Mitte Deutschlands gedrehte Serie ist etwas für jede Generation, allein in der Zielgruppe der 14 bis 49-Jährigen haben wir 13 Prozent Marktanteil. Hier werden Themen behandelt, die richtig aktuell sind. Und wir zeigen dabei echtes Leben, zwar in einer Überhöhung, aber nicht zu negativ, es soll Hoffnung transportiert werden.“ Auch, so Kramm weiter, werde die Hausarzt-Problematik ernst genommen, und es wird stets hinterfragt, was wirklich hinter einer Krankheit steht. Das seien Ansätze, die das Publikum interessieren. „Dr. Kleist ist eine geerdete Geschichte – und es ist ein Serienplatz mit einer eigenen Farbe, mit einer leicht positiven Sicht auf die Welt.“

Es scheint also auch am Sendeplatz zu liegen: Auch die Vorgängerserien „Um Himmels Willen“ und „Julia, eine ungewöhnliche Frau“ waren enorm erfolgreich. Der Dienstag ist generell eher ein schwacher Fernsehtag, im ZDF laufen zeitgleich meist zeithistorische Dokus von Guido Knopp. Das ZDF platziert seine Serien ohnehin anders: „Unser Charly“ oder das Augsburg-Epos „Samt und Seide“werden bei den Mainzern an anderen Tagen um 19 Uhr 25 gezeigt und haben dort etwa 15 Prozent Marktanteil und eine Quote zwischen vier und fünf Millionen. Einzig „Der Fürst und das Mädchen“, mit Maximilian Schell, lief auch zur Primetime um 20 Uhr 15, allerdings mittwochs.

Doch scheint es generell ein Trend zu sein, hin zur neuen seichten Leichtigkeit, weg von den ernsten Stoffen. Und die Macher arbeiten kräftig dran. So hat die ARD freitags längst die Sonne-Strand-Sand-Fraktion im Griff und bietet dem traditionellen ZDF-Krimi die Stirn, während umgekehrt sonntags der ARD-„Tatort“ an Quotenschwund leidet. Die Verfilmungen von Rosamunde Pilcher-, Charlotte Link-, Barbara Wood- und Inga Lindström-Stoffen setzen den Verbrechern und Fahndern im Ersten hart zu.. Die „Tatort“-Quoten sinken (jüngster BR-„Tatort“ aus München 21,5 Prozent), die der Pilcherianer steigen (Barbara Woods „Lockruf der Vergangenheit“; Marktanteil 20,2 Prozent). „Familie Dr. Kleist“ liegt demnach voll in diesem Trend.

„Familie Dr. Kleist“: ARD, 20 Uhr 15

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