Medien : Ohrensausen ohne Ende

Das Magazin "Rock Hard" berichtet seit 25 Jahren über Heavy Metal.

Torben Waleczek

Das Magazin passt in keinen Briefkasten: gedruckt im opulenten Din-A3-Format, auf der Titelseite zwei brennende Gitarren und der stolze Slogan „Die Bibel des Metal“. So sieht sie aus, die 250. Ausgabe des Heavy-Metal-Magazins „Rock Hard“. Zum Jubiläum gönnen die Krachreporter aus dem Ruhrpott ihren Lesern eine Zeitschrift in Übergröße. Im Heft kommen Musiker von Bands wie Motörhead, den Scorpions oder Iron Maiden zu Wort und schwärmen davon, was für eine tolle Zeitschrift die Dortmunder Redaktion jeden Monat produziert. Die Musikauswahl reicht von leichtem Alternativ-Rock bis zu brachialem Death Metal. Die Zielgruppe: Hardrockfans zwischen 16 und 45, viele davon sehr gebildet. Ein Publikum, das sich ernsthaft für Rockmusik interessiert. So jedenfalls beschreibt Chefredakteur Götz Kühnemund den typischen Leser. Und Kühnemund muss es wissen, er ist von Anfang an mit dabei.

Gestartet ist die „Rock Hard“ als Fanzine mit wenigen hundert Exemplaren, zusammengeflickt im Kinderzimmer von Herausgeber Holger Stratmann. Das war vor knapp 25 Jahren. Heute liegt das Blatt am Kiosk neben bekannten Rockmusikmagazinen wie „Visions“ oder „Rolling Stone“. Die eigentliche Konkurrenz auf dem Pressemarkt für harte Klänge gehört, man mag es kaum glauben, zum Axel-Springer-Verlag. Dort erscheint der „Metal Hammer“ – gleiche Musik, einfacher geschrieben, besser verkauft. Momentan jedenfalls liegt der „Metal Hammer“ mit einer verkauften Auflage von 44 955 Exemplaren vor der „Rock Hard“ (36 462). Zeitweise wollten Investoren beide Blätter zu einer Marke vereinen. Kaufangebote für die „Rock Hard“ kamen auch aus dem Springer-Verlag. Aber die Dortmunder wollten sich darauf nicht einlassen und ihre journalistische Eigenständigkeit wahren.

Bis heute erscheint die Zeitschrift unabhängig im „Rock Hard Verlag“. „Wir sind lieber unsere eigenen Herren und können Manowar, Metallica oder Guns’n’Roses dafür ans Bein pinkeln, wann immer wir wollen“, schreibt Kühnemund im Vorwort der Jubiläumsausgabe. Auch wirbt der Chefredakteur damit, dass die „Rock Hard“ ihre Konkurrenz in Sachen Niveau und journalistischer Qualität weit hinter sich lässt – gemeint ist natürlich der „Metal Hammer“, die „Bravo“ für Hardrockfans, wie manche sagen. Dagegen will man sich bei der „Rock Hard“ auch durch politische Themen profilieren, zum Beispiel mit Features über rechtsradikale Strömungen in der Metal-Szene.

Neben rund 60 Freien sind im Verlag heute 27 feste Mitarbeiter beschäftigt, manche davon ausgebildete Journalisten, manche Autodidakten. Allen gemeinsam, sagt der Chefredakteur, ist die Leidenschaft für harte Musik: „Aus jedem unserer Büros dröhnt pausenlos Metal.“ Dass das Konzept auch ohne einen Verlagsriesen wie Springer funktioniert, liegt für Kühnemund an den speziellen Bedingungen in der Branche. Metal-Hörer sind offenbar treue Wesen mit einem etwas altmodischen Verhalten am Markt. Selbst in Zeiten von Youtube und Mp3 kaufen sie noch regelmäßig Platten – und Magazine, die darüber schreiben. Die Absatzzahlen der „Rock Hard“ sind seit Jahren einigermaßen konstant. Ohne „Auflagenviagra“, wie es in Medienkreisen heißt, geht das freilich nicht: CDs und DVDs als Heftbeileger sollen das Blatt immer wieder attraktiv machen. Für die DVD produziert die Redaktion viermal im Jahr ein Videomagazin namens „Rock Guerilla.tv“. Darin: Bandinterviews, Szeneberichte und schwermetallische Musikclips, die im Fernsehen sonst nicht gezeigt werden. Seit fünf Jahren veranstaltet die „Rock Hard“ außerdem ein eigenes Open-Air-Festival, im kommenden Mai steigt die Party im Amphitheater von Gelsenkirchen. Die Marke wird also auf viele Arten gepflegt. Mittlerweile gibt es sogar Auslandsableger der „Rock Hard“ in Brasilien, Frankreich, Italien, Griechenland und Spanien. In die deutsche Verlagskasse fließen Lizenzgebühren für die Rechte am Namen.

Als es los ging mit der „Rock Hard“, hätte an solche Erfolge wohl niemand geglaubt. Herausgeber Stratmann und Redaktionschef Kühnemund, die jugendlichen Krachfanatiker von damals, sind jetzt Anfang vierzig und immer noch mit Freude dabei. Heutzutage könne man als Rocker alt werden, sagt Kühnemund. „In 20 Jahren werden in den Seniorenheimen lauter Heavy-Metal-Fans sitzen.“

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