Medien : Old & New Humor

Norbert Thomma

Scheibenwischer – ARD. Nachgetreten! – ZDF. Die Menschheit teilt sich in Männer und Frauen, in Vegetarier und Schnitzelfreaks, in Kosmopoliten und Balkonier, in Freunde des politischen Kabaretts und der Comedy. Bis auf David Beckham ist niemand Mann und Frau zugleich. Es trauert auch niemand Harald Schmidt hinterher und Dieter Hildebrandt. Deshalb war es nur konsequent, wenn Donnerstagnacht ARD und ZDF zur gleichen Zeit etwas zum Lachen anboten. „Scheibenwischer“ (Kapitän: Bruno Jonas) quaisi als old humor, „Nachgetreten!“ (Kapitän: Ingolf Lück) als new humor.

Das politische Kabarett hat ein Quotenproblem. Dafür hat es ein dankbares Publikum. Im „Scheibenwischer“ (vier Männer) muss nur einer sagen: „Angie Merkel“ (sprich: Äindschie), und alle finden das lustig. Weil die Sendung nun aus Bayern kommt, ist auch die schiere Erwähnung des Namens „Stoiber“ ein sicherer Brüller. Wirklich komisch ist, wenn Mathias Richling als Johannes Rau (gespenstisch die Ähnlichkeit) spricht: „Es sind schwere Tage des ungesäuerten Brotes.“ So viel Nonsens ist selten.

Die Comedy hat ein Zotenproblem. Da muss nur einer sagen: „poppen“, und alle finden das lustig. „Nachgetreten!“ kommt regelmäßig zur EM. Also lassen die Comedians jetzt Fußballspieler poppen (Kahn im P1, Beckenbauer auf der Weihnachtsfeier), oder es witzelt: „Kevin Kuranyi hat ungarisches, brasilianisches und deutsches Blut. Seine Mutter hat bei den Vereinten Nationen geputzt.“ Neben fünf Männern sitzt im grünen Kunstrasenstudio auch eine Frau, blond und üppig. Sie sagt: „Ich merke mir die Spieler nach den Nummern.“ (Stille im Publikum, eine zu komplizierte Zote.) Sie sagt: „Der Kuranyi hat die 0177 - 382...“ Großer Brüller. Trägt das über Wochen, die unreine Haut von Ziege, der Alkohol und Waldi Hartmann...? Nun ja, einige Kurzfilme oder Klaumauklieder sind komisch. Ganz oft „Schweibenwischer“ wäre die größere Drohung.

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