Oliver Berben : "Düstere Filme tun sich derzeit schwer"

Produzent Oliver Berben über gutes und schlechtes Fernsehen, Macht, Mut und seine Mutter Iris Berben

Markus Ehrenberg

Herr Berben, Sie haben mal Luft- und Raumfahrttechnik studiert …



… ja, das klingt nach verwegenem Berufswunsch. Ich will immer noch ins All fliegen.

Haben Sie einen Weltraumflug angemeldet? Das soll privat bald möglich sein.

Wenn’s bezahlbar wäre. Ich bin jetzt 38. Vielleicht wird es ja noch in meiner Lebensspanne möglich sein, das zu Billigflieger-Konditionen hinzukriegen.

Verwegene Träume können Sie ja auch als Regisseur oder als Produzent in die Tat umsetzen, à la Kubricks „2001 – Odyssee im Weltraum“.

Science-Fiction ist ein tolles Genre. Es kostet sehr viel Geld, um es so aussehen zu lassen, wie es das Publikum gewöhnt ist. Ein gutes Beispiel für eine nicht so hoch budgetierte Produktion in diesem Genre ist beispielsweise „Gattaca“ mit Jude Law.

Der verhinderte Raumfahrer. Ihre letzte Regiearbeit lieferten Sie 1999 mit dem TV-Film „Das Teufelsweib“ ab. Der Produzentenkollege Nico Hofmann von Teamworx fing ebenfalls mal mit Regie an. Ist der Regieberuf nicht interessant genug? Haben Sie als Produzent mehr Macht?

Die größere Macht haben sie wahrscheinlich als Regisseur in Deutschland (lacht). Es ist schon so, dass das Produzentendasein einfach großartig ist. Ich freue mich jeden Morgen, wenn ich aufstehe, dass ich das machen darf. Ich sehe mich als Dienstleister, der dem Publikum so viele schöne unterschiedliche Sachen bieten möchte, die ihm auch gefallen. Ich mag es, an mehreren und komplett unterschiedlichen Sachen parallel zu arbeiten.

Verzetteln Sie sich da nicht? Seit Januar sind Sie Geschäftsführer der Constantin Film Produktion GmbH, zuständig für das nationale und internationale TV- und Kinogeschäft. Gleichzeitig führen Sie weiter die Geschäfte bei der Berliner Constantin-Tochter „Moovie – the art of entertainment“, die Sie 1996 gegründet haben.

Ich kenne meine Grenzen und habe, sowohl was das Betriebswirtschaftliche als auch was das Kreative betrifft, ein sehr fähiges Team und wunderbare Kollegen um mich. Von meinem Vater habe ich schon sehr früh gelernt, besonnen und verantwortlich zu handeln und zu entscheiden.

Was 2009 alle betraf und betrifft: die Wirtschafts- und Werbekrise. Lassen deutsche Fernsehsender überhaupt noch genug Filme produzieren, dass es für alle reicht, für Produktionsfirmen, für Schauspieler, für Sie?

Klar ist: Der Kuchen ist kleiner geworden. Viele Produzenten haben aufgegeben. Am schlimmsten getroffen hat es die werbefinanzierten Privatsender. Aber auch die öffentlich-rechtlichen, für die 70 Prozent der deutschen TV-Produktionen entstehen, gucken genauer aufs Budget. Ich denke aber, dass in jeder Krise eine Chance steckt. Ich bin keiner, der jammert. Das bringt nichts.

Beim Fernsehen kommt man aber manchmal ins Jammern. Ambitionierte, unkonventionellere Geschichten wie der ZDF-Krimi „Kommissar Süden“ mit Ulrich Noethen werden nach zwei Folgen eingestellt. Da wird mal eine andere Art Krimi für das große Primetime-Publikum probiert, schon gibt’s einen Rückzieher.

Es muss nicht allen alles gefallen. Wir müssen allgemein stark darauf achten, dass es mit der Krise keinen Qualitätseinbruch gibt. Und Qualität ist nicht immer gleichzusetzen mit viel Geld. Du kannst trotz verminderter Budgets, auch in nur 22, 23 Drehtagen einen „Tatort“ oder bei einem anderen 90-minütigen Fernsehfilm etwas Großes hinkriegen. Es kommt auf die gründliche Entwicklung an und hier darf in keinem Fall gespart werden.

Es hat den Anschein, dass Sender und Produzenten kein Risiko mehr eingehen. Statt „Kommissar Süden“ nur noch sichere Quotengaranten wie „Zweiohrküken“, Event-Movies mit Heino Ferch oder eben der ewige „Tatort“.

Der Mut ist schon da, etwas auszuprobieren. Gerade auch der „Tatort“ zeigt das immer wieder. Das müssen wir Produzenten den Fernsehsendern noch plausibler machen. Ich glaube an das Gute im Zuschauer. Er ist genervt davon, immer das Gleiche zu sehen. Und dabei muss auch nicht die x-te US-Serie nochmals kopiert werden. Ich liebe Serien, schaue sie ständig. Dieses Land gibt so viele eigene Stoffe her. Wir haben beispielsweise für das ZDF eine sechsteilige Miniserie mit Doris Dörrie machen dürfen: „Klimawechsel“, eine freche und unkonventionelle Komödie im Umfeld von Lehrern, die im Frühjahr ausgestrahlt wird. Das bricht mit einigem. Ich vergleiche den Film- und Fernsehmarkt ein bisschen mit einem Supermarkt. Die Leute gehen da rein, weil sie unterschiedliche Sache haben wollen. Heute einen Film über Liebe und Landschaft in Irland, morgen etwas komplizierter Erzähltes wie „Six Feet Under“.

„Six Feet Under“ bei ARD und ZDF? Schön wär’s.

Wir leben in einer wirtschaftlich angespannten Zeit, wo es vielen Menschen nicht so gut geht. Da gibt es eher den Wunsch nach einem Programm, das sie entführt in einer andere, nicht unbedingt schlechtere Welt. Düstere Filme tun sich zurzeit schwer.

Dann müsste man nur noch Filme machen, wie sie Freitagabend um Viertel nach acht im Ersten laufen oder Sonntagabend im Zweiten.

Davon gibt’s ja genügend. Das läuft sehr gut. Und heißt noch lange nicht, dass jeder das jetzt auch machen muss. Die größte Gefahr ist, dass wir uns darauf einlassen, nur noch Gleiches zu produzieren. Die Vielfalt, wie es sie in diesem Land im Kino und im TV gibt, muss erhalten bleiben. Wir haben hier einen sehr guten TV-Markt, mit immer noch mehr als elf auftraggebenden Sendern. Vergleichen Sie das mal mit anderen Ländern.

Diese Frage muss noch kommen: Ist es etwas Besonderes, mit der eigenen Mutter zusammenzuarbeiten?

Es ist immer besonders, mit ihr zusammenzuarbeiten, weil sie eine ganz besondere Schauspielerin ist. Dabei kann ich sie auch mal in ganz andere Rollen stecken, in denen man sie nicht erwartet. 2010 wird sie beispielsweise eine Frau in den Wechseljahren spielen.

Geboren 1971 in München. Oliver Berben studierte an der TU Berlin Luft- und Raumfahrttechnik, beendete das Studium aber nicht. Über Produktionsassistenzen und Werbefilme Einstieg in die Filmbranche. Zusammen mit Regisseur Carlo Rola gründete Berben 1996 in Berlin das Unternehmen „Moovie - the art of entertainment“, das mit der Constantin-Film-AG von Bernd Eichinger fusionierte. Seit Januar 2009 ist Berben auch Geschäftsführer der Constantin Film Produktion GmbH. Er hat über 80 Fernseh- und Kinofilme produziert („Rosa Roth“ mit seiner Mutter Iris Berben, „Elementarteilchen“, „Silberhochzeit“).

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