Olympia im TV : Brenders Biber

ARD und ZDF bitten gemeinsam zu den Olympischen Winterspielen in Vancouver - und streiten über Biologie

Markus Ehrenberg
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ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender.Foto: dpa

Bei der Wahl zum Krawattenmann des Jahres darf sich ARD-Programmdirektor Volker Herres gute Chancen ausrechnen. Bei der ohnehin farbenfrohen Präsentation des Programmangebots von ARD und ZDF zu den Olympischen Winterspielen im Vancouver am Mittwoch in der kanadischen Botschaft in Berlin setzte Herres mit seiner orangenen Krawatte ein deutliches Zeichen – für den Kollegen im Zweiten, für ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender, dessen Vertrag vom Verwaltungsrat vor knapp zwei Wochen bekanntermaßen nicht verlängert wurde. Zufall oder nicht, Brender ist am Mittwoch noch von einer Jury der Zeitschrift „Medium Magazin“ zum Journalisten des Jahres 2009 gewählt worden. Brender habe mit seinem konsequenten Beharren auf journalistischer Unabhängigkeit Zeichen gesetzt, die „über den eigenen Sender hinaus auf die ganze Medienbranche ausstrahlen“, teilte die Zeitschrift in Frankfurt mit.

Da trat das, was der ZDF-Chefredakteur inhaltlich noch zu verantworten hat, in der Botschaft fast in den Hintergrund: die Winterspiele vom 12. bis 28. Februar, der erste Höhepunkt eines großen Sportjahres 2010, und deren imposante Darbietung im Fernsehen. Die öffentlich-rechtlichen Sender hatten „in enger Kooperation“ so ziemlich alles nach Berlin-Mitte gebracht, was an Sport-Moderatoren, Redakteuren, Leitern, Experten und Senderverantwortlichen Rang und Namen hat. Neben Herres und Brender waren das unter anderem Katrin Müller–Hohenstein, Michael Steinbrecher, Norbert König, Teamchef Dieter Gruschwitz, Jens Weißflog, Sven Fischer (alle ZDF), Teamchef Wolf-Dieter Jacobi, Doping-Redakteur Hajo Seppelt, Katarina Witt, Markus Wasmaier, Jörg Kachelmann (alle ARD), dazu der kanadische Botschafter Peter Boehm.

Ein Star-Aufgebot, das hört sich nach Bambi–Verleihung an, aber 86 Wettbewerbe, darunter Biathlon, die Lieblings-Wintersportart der Deutschen, müssen ja irgendwie gemanagt werden. ARD und ZDF wollen an 17 Tagen im Wechsel insgesamt rund 221 Stunden Direktübertragungen anbieten, erstmals in HD-Regelbetrieb, im hochauflösenden Fernsehen. Die „schärfsten Spiele, die es je gegeben hat“, verspricht Herres, mit fast deckungsgleicher Programmstruktur bei ARD und ZDF, so dass sich die Zuschauer auf feste Zeiten einstellen können, egal, wer überträgt. Beginnen wird das Erste am 12. Februar um 19 Uhr mit der Qualifikation des Skispringens sowie um drei Uhr nachts mit der Eröffnungsfeier.

Aufgrund der neunstündigen Zeitverschiebung im Vergleich zu Kanada müssen sich Fans hierzulande allerdings auch auf zahlreiche Night Sessions einstellen. Die Entscheidungen vieler begehrter Sportarten sollen aber in der Primetime zu sehen sein. „Das gelte beispielsweise für Skispringen oder für Biathlon“, so ARD-Teamchef Jacobi vom federführenden Mitteldeutschen Rundfunk (MDR). Sollte es, ähnlich wie bei den letzten Spielen in Turin oder jüngst wohl auch bei Eisschnellläuferin Claudia Pechstein, nicht immer mit rechten Dingen zugehen, stünden die Doping-Redaktionen von ARD und ZDF mit Hajo Seppelt und Elmar Theveßen vor Ort bereit. „Wir werden nicht wegschauen“, versprach Anke Scholten, Olympia-Programmchefin des ZDF.

Sicher ist: Für Olympia-Verächter wird der Februar ein harter Fernsehmonat. Von 18 Uhr bis neun Uhr am anderen Morgen gibt es Live-Übertragungen. Auf den Digitalsendern Einsfestival und ZDFinfokanal kommen acht Stunden täglich Winterspiele pur hinzu. Zu nachtschlafener Zeit laufen vor allem Hallen-Sportarten wie Eishockey oder Eiskunstlauf. Am anderen Morgen bieten beide Sender Zusammenfassungen in den jeweiligen Morgenmagazinen.

„Die Zusammenarbeit ist ja nicht neu“, sagte der scheidende ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender zur olympischen Kraftanstrengung von ARD und ZDF , erklärte aber auch, dass die finanziellen Rahmenbedingungen „uns zu einer noch intensiveren und rationelleren Zusammenarbeit gezwungen“ haben. Nur in einem waren sich Brender und die ARD, besonders Wetterfrosch Jörg Kachelmann, überhaupt nicht einig. Ob der Biber nur Laubbäume bis zum Umfallen annagt, wie der ZDF-Olympiatrailer zeigt. Kachelmann behauptet, der Biber sei auf Laubbäume fixiert. Aber Kachelmann trägt ja auch ungerne Krawatten.

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