Olympia-Programm : Chinesisch für Anfänger

Sport, Schmidt, Lang Lang: Das Olympia-Programm bei ARD und ZDF.

Simone Schellhammer

„Optimismus ist nur ein Mangel an Information”, zitierte Harald Schmidt gestern Heiner Müller bei der Pressekonferenz in Hamburg, bei der ARD und ZDF ihr Angebot zu den Olympischen Spielen in Peking vorstellten. Solcherlei Weisheiten stehen offenbar hoch im Kurs bei diesem sportlichen Ereignis, bei dem auch die zuständigen Fernsehsender nicht recht wissen, was sie erwartet. So warnte Dieter Gruschwitz, Leiter der ZDF-Hauptredaktion Sport: „Der Mensch stolpert nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel.“ Ob das dann bei Themen wie Zensur, Doping und Menschenrechten passieren wird oder eher doch, weil China keine europäischen Führerscheine akzeptiert, wird man sehen.

„Von ARD und ZDF können die Zuschauer eine umfassende Berichterstattung nicht nur über die sportlichen Highlights in den diversen Wettkampfstätten, sondern auch über die politische Situation im Land erwarten“, versprach Walter Johannsen, Olympia-Teamchef von ARD und ZDF. Für den federführenden NDR ist die Übertragung der Spiele eine der größten Herausforderungen in seiner über 50-jährigen Geschichte. Jeweils etwa 100 Moderatoren, Redakteure und Reporter von ARD und ZDF sowie rund 80 Journalisten vom ARD-Hörfunk sind für Peking akkreditiert. Insgesamt rechnet man mit 20 000 Medienschaffenden aus aller Welt, denen 13 000 Athleten gegenüber stehen. Am 8. August um 13 Uhr startet die Live-Berichterstattung mit der Eröffnungsfeier, die von Sandra Maischberger und Ralf Scholt, Sportchef des Hessischen Rundfunks, kommentieren werden. Maischberger bezeichnete diesen Einsatz als einen Höhepunkt ihrer journalistischen Karriere. Dafür trainieren werde sie am 20. Mai in der ARD in einem Fernsehgespräch mit Helmut Schmidt, der ein ausgewiesener Chinakenner ist.

Im täglichen Wechsel berichten ZDF und ARD von allen Wettbewerben aus Tsingtao, Hongkong und Peking. Monica Lierhaus und Michael Antwerpes führen die Zuschauer durch die ARD-Live-Übertragungen, bedingt durch die sechs Stunden Zeitverschiebung von 2 Uhr in der Früh bis 19 Uhr 45. Außerdem gibt es eine ausführliche Magazinsendung am späten Nachmittag, die Reinhold Beckmann präsentiert. Nach den „Tagesthemen“ blicken Waldemar Hartmann und Harald Schmidt als „Waldi und Harry“ aus dem Deutschen Haus in Peking auf das Tagesgeschehen zurück. Ihr Studio wurde in den Ballsaal eines großen Pekinger Hotels eingebaut. „Wir berichten über alles, was uns wichtig erscheint“, sagte Schmidt, „sei es eine Poolparty bei Dr. Fuentes oder über die Leistungen einer bulgarischen Gewichtheberin“ – mit Blick auf den spanischen Arzt Fuentes, der hunderte Sportler gedopt haben soll.

An ZDF-Tagen werden sich Michael Steinbrecher und Rudi Cerne mit „Olympia live“ abwechselnd von 2 bis 18 Uhr aus dem International Broadcast Center der chinesischen Hauptstadt melden. Neben den reinen Sportereignissen werden dort auch die aktuelle politische Lage im Gastgeberland sowie gegebenenfalls die Dopingproblematik in den Blickpunkt rücken. Die „Olympia Highlights“ präsentieren Johannes B. Kerner und Katrin Müller-Hohenstein von 20 Uhr 15 bis 21 Uhr 45. Als Special Guest wird hier der renommierte chinesische Pianist Lang Lang mit einer eigenen Kolumne Kultur und Eigenheiten seines Heimatlandes beschreiben.

Auch ansonsten wird es natürlich die typischen Land-und-Leute-Reportagen und historischen Dokumentationen geben. So schickt die ARD neun Journalisten für Hintergrundberichte und Porträts nach Peking und Hongkong. Zum Olympiateam gehören auch der ARD-Korrespondent in Peking, Jochen Graebert, und sein ZDF-Kollege Johannes Hano, der mit seiner Dokumentation „Die Macht der Spiele. Peking – ein Jahr vor Olympia“ für den Grimme-Preis nominiert war. Von ihm stammt eine kleine „Olympia-Fibel“ für die Kollegen, die sich laut Teamchef Dieter Gruschwitz in Mainz mit einem vom Haus gesponserten Kurs „Chinesisch für Anfänger“ fit machen. „Das sind nur ein paar Hinweise wie etwa auf die bürokratischen Formalitäten hier und auf die Tatsache, dass chinesische Mitarbeiter Schwierigkeiten mit der Staatssicherheit bekommen können“, erklärte Hano gestern in einer Live-Schaltung nach Hamburg. Das Positive an Staatssicherheit und Zensur sah hingegen Harald Schmidt: „Man kann immer sagen: Hier im Studio war die Stimmung der Hammer, die Gags müssen unterwegs rausgeschnitten worden sein.“

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