Medien : Online-Deal

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In der Rubrik „Medien“ von Deutschlands erster reiner Internet-Zeitung, der „Netzeitung“, stand am Freitagmittag ein Bericht „In eigener Sache“: „BertelsmannSpringer übernimmt Netzeitung“ wurde dort der Kauf sämtlicher Anteile vom bisherigen Besitzer, Lycos Europe, gemeldet. Damit wechselt die „Netzeitung“ rückwirkend zum 1. Juli vom Technologie-getriebenen Internet-Portal zu einem der führenden Fachverlage mit Titeln wie der „Ärzte Zeitung“, dem „Platow Brief“ oder der „Bauwelt“. Zum Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht. Das Bundeskartellamt muss dem Verkauf noch zustimmen.

„Die ,Netzeitung’ passt hervorragend in die Internet-Strategie von BertelsmannSpringer“, begründete der Vorstandsvorsitzende der Verlagsgruppe, Jürgen Richter, am Freitag den Kauf der „Netzeitung“. Richter, der vom BertelsmannSpringer-Vorstandsvorsitz Ende Juli zurücktreten wird, übernimmt bei der „Netzeitung“ den Vorsitz des Verlagsbeirats. Der bisherige Geschäftsführer und Chefredakteur der Internet-Zeitung, Michael Maier, wird seine Funktionen behalten. Aus Sicht von Maier gibt es bei den Zielgruppen von „Netzeitung“ und den Fachverlagen vielversprechende Gemeinsamkeiten. BertelsmannSpringer-Sprecherin Sabine Schaub sicherte zu, dass die Redaktion „in voller Größe“ übernommen werde.

Sowohl von BertelsmannSpringer als auch von Lycos Europe wird hervorgehoben, dass die „Netzeitung“ nun erheblich größere Möglichkeiten zur Nutzung der Synergien in einem Verlagsverbund habe. Dabei wird besonderer Wert auf die Vermarktung von Paid-Content, also bezahlten Inhalten im Internet, gelegt. Erst vor kurzem hatte die „Netzeitung“ damit begonnen, eine personalisierte Internet-Zeitung auf Abo-Basis anzubieten. Dieses Modell soll auch auf andere Publikationen des Verlagshauses angewendet werden. „Wir haben nicht nur die Inhalte, wir haben auch die Kunden“, so Schaub.

Richters neue Funktion als Vorsitzender des Verlagsbeirats soll keineswegs die eines Sanierers sein. Nach Verlagsangaben hat die „Netzeitung“ ihren Verlust im zweiten Quartal gegenüber dem Vorquartal halbiert. Damit befinde sich die Zeitung auf einem guten Weg. Mit dem Eigentümerwechsel soll die Konsolidierung fortgesetzt werden. Der Verlust der „Netzeitung“ im zweiten Quartal wird mit 800 000 Euro angegeben. Dabei lag die tägliche Reichweite der Online-Publikation bei rund 570 000 Online-Lesern.

BertelsmannSpringer hat im Geschäftsjahr 2000/2001 mit über 70 Verlagen einen Umsatz von rund 750 Millionen Euro erwirtschaftet. Bertelsmann will sich allerdings von dieser Fachverlagsgruppe trennen, die nach den Worten von Vorstandschef Thomas Middelhoff „nicht mehr in das Profil des Medienkonzerns“ passt. Kurt Sagatz

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