Online-Journalismus : „Jeder hat seinen Stil“

World Wide Wickert: Mister Tagesthemen wird beim Newsportal Zoomer.de zum Videoblogger.

Herr Wickert, Sie werden Mit-Herausgeber des neuen Internet-Portals Zoomer.de Wie werden Sie da präsent sein?

Ich nehme schon an der Arbeit in der Redaktion teil, diskutiere mit den Online-Redakteuren. Und später werde ich regelmäßig Videokommentare, zu Politik oder auch ganz Alltäglichem, einbringen.

Ulrich Wickert als Videoblogger – streitbar wie Ex-„Spiegel“-Kulturchef Matthias Matussek in seinem Videoblog?

Naja, jeder hat seinen Stil. Ich bin so, wie ich bin. Und werde es so tun, wie man es von mir gewohnt ist. Ich kenne Matthias Matussek gut, habe mir seine Videoblogs hin und wieder angeschaut. Das passt zu ihm. Ich bin vielleicht weniger krawallig, sondern eher ironisch veranlagt.

Haben Sie schon mal gebloggt?

Nein, nur gechattet, bei tagesschau.de, mit Zuschauerfrage und Antwort.

Mit den „Tagesthemen“ haben Sie den Klassiker des seriösen TV-Journalismus moderiert. Netzberichterstattung wird manchmal noch als halbseiden oder nicht ganz so seriös eingeschätzt.

Ich bin mehrmals täglich auf tagesschau.de oder Online-Portalen von „Le Monde“, „Rue 89“ oder „New York Times“. Das ist einfach spannend. Wenn irgend etwas in Frankreich passiert, was ich gleich wissen will, dann gehe ich auf „Le Monde“ und warte nicht auf das trotzdem noch abonnierte „Le Monde“-Exemplar als Zeitung am nächsten morgen im Briefkasten. Meines Erachtens gibt es inzwischen eine ganze Reihe seriöser Nachrichtenportale.

Aber auch viel Müll im Netz.

Klar, Müll ist ein Problem des Internets. Gerüchte werden als Wahrheit transportiert. Das haben wir ja gerade im Fall Sarkozy erlebt, als behauptet wurde, Carla Bruni sei schwanger. Das war eine Bloggerbehauptung, die eine Zeitung übernommen hat. Bei zoomer.de werden Fakten jedoch gegen gecheckt wie in jeder seriösen Zeitung, das ist wichtig. Zwischen dem Blogger und dem Portal muss es einen Filter geben.

Werden die klassischen Medien à la „Tagesthemen“ mit solchen Portalen bald vom Internet abgelöst werden?

Das glaube ich nicht. Die unterschiedlichen Medien werden nebeneinander koexistieren. Selbst wenn ich mir mehrmals am Tag zoomer.de anschaue, will ich trotzdem sehen, wie andere Medien ihre Nachrichtenauswahl zusammensuchen. Die „Tagesthemen“ beispielsweise verfügen über 35 Auslandsbüros, die eigene Korrespondentenberichte zuliefern. Diesen Aufwand kann noch kein Portal betreiben.

Und die Zeitung?

Die hat man auch schon totgesagt, als das Radio erfunden wurde. Als das Fernsehen kam, sollte das Radio fertig sein. Und als das Privatfernsehen aufkam, das öffentlich-rechtliche Fernsehen. Nichts davon ist passiert. Das Internet ist ein zusätzliches Medium, das zur weiteren Diversifizierung führt. Der eine oder andere wird sagen, ich weiß es schon und brauche es heute Abend nicht fernsehen. Aber wenn Sie große Ereignisse haben wie den 11. September, sitzen wieder alle vor der Glotze.

Zu ihren privaten Internetvorlieben – sind Sie ein Ego-Googler?

Ich hab’ meinen Namen schon mal bei Google eingegeben, um zu sehen, was andere über einen schreiben. Aber das hat mich nicht besonders interessiert. Was für mich viel wichtiger ist: Als Krimiautor nutze ich Google-Map, um meinen Untersuchungsrichter auf wirklichen Plätzen spazieren zu lassen.

Schon mal auf Youtube gewesen? Da gibt es 16 Videos zu Ulrich Wickert.

Wirklich? Ich dachte zwei, drei.

Das Gespräch führte

Markus Ehrenberg

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