Medien : Online - Partnerschaft: Das rot-rosa Bündnis

Ulrike Simon

Das Flaggschiff des Axel Springer Verlages war und ist die "Bild"-Zeitung. Die Lokomotive soll nun "Bild.de" werden. Damit das so wird, gründet Springer "Bild.de" aus und integriert es in ein neues Unternehmen, die Bild.de/T-Online AG. Gegründet wird das Unternehmen von Springer, Europas größtem Zeitungshaus, und T-Online, Europas größtem Online-Provider. Noch existieren nur Absichtserklärungen. Bis Ende April sollen dem Vernehmen nach alle Formalitäten unter Dach und Fach sein. Weiterhin soll im Juni/Juli der Umzug der im Moment noch rund 80-köpfigen "Bild.de"-Redaktion von Hamburg in die Berliner Friedrichstraße stattfinden - wofür Subventionen in Höhe von sieben Millionen Mark fließen sollen, wie aus Senatskreisen bestätigt wird.

T-Online braucht Inhalte und freut sich, mit dem Medium zu kooperieren, das sich wie kein anderes "an der politischen Diskussion" beteilige, "die brennenden Trends in unserer Bevölkerung" spüre und es verstehe, "Meinungen zuzuspitzen und dennoch wohl zu formulieren". Wer jedoch glaubt, "Bild.de" übernehme in diesem Joint Venture den journalistischen Part, täuscht sich. Der journalistische Anteil ist in dem künftigen Angebot nachrangig, sagte Multimedia-Vorstand Mathias Döpfner am Mittwoch.

Springers Part bei dieser neuen Plattform ist die des Entertainers. Die große Boulevardbühne "Bild.de" wird - so weit der derzeitige Stand - zwölf Themen-Channels anbieten: einen Spiele- und Reise- und Erotikkanal, eine Erlebniswelt für Kinder, das Autoportal "Auto-Euro", das Frauen-Portal "sheego.com", ein Promi-Chat-Programm und anderes mehr. Alle bestehenden Springer-Online-Angebote werden entweder ganz oder zumindest durch Link-Verweise integriert. Das gilt auch für Fremdangebote. Je nach der Stärke einer Marke und der Intensität der Vernetzung und Zusammenarbeit werden dann individuelle Abrechnungs- und Erlösmodelle erarbeitet.

Im Zentrum von "Bild.de" steht allerdings der Unterhaltungscharakter, den unterschiedlichste Formate unterstreichen, die dem, was künftig interaktives Fernsehen bieten soll, sehr nahekommen. Journalistischer, besser, inhaltlich-kreativer Kopf ist Ex-"Bild"-Chef Udo Röbel, der - wie längst vereinbart - in den Vorstand aufrückt.

Springer benutzt also seine wichtigste, ertragreichste und erfolgreichste Marke, "Bild", um im Internet mit einem massentauglichen Angebot Geld zu verdienen. Und den Machern der "Bild"-Zeitung und der "Bild am Sonntag" (gemeinsamer Herausgeber ist Kai Diekmann) bleibt die Rolle des Zulieferers. Zugriff auf "Bild.de" haben die gedruckten Blätter nicht. Praktisch wird das so aussehen, dass jeder "Bild"-Reporter notgedrungen mit einer Web-Kamera zu seinen Terminen gehen wird.

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