Online-Video : Deutsches Hulu vor dem Aus

Die Privatsendergruppen ProSiebenSat1 und RTL Deutschland wollen eine gemeinsame Videoplattform starten. Doch offenbar macht ihnen nun das Bundeskartellamt einen Strich durch die Rechnung.

Die gemeinsame Online-Videoplattform der Privatsendergruppen ProSiebenSat1 und RTL Deutschland steht offenbar vor dem Aus. Das Bundeskartellamt habe beiden Sendergruppen signalisiert, dass es die Pläne für eine senderoffene Internetplattform nach dem Vorbild des US-Angebots Hulu nicht genehmigen werde. Beide TV-Unternehmen bestätigten, dass sie von der Bonner Wettbewerbsbehörde eine vorläufige Einschätzung zu dem Projekt bekommen haben. „Das Bundeskartellamt sieht dabei offenbar kartellrechtliche Probleme“, sagte ein Sprecher der Mediengruppe RTL Deutschland.

Das Bundeskartellamt ist der Auffassung, „dass die Gründung der gemeinsamen Plattform in der konkret geplanten Form das nach wie vor bestehende marktbeherrschende Duopol der beiden Sendergruppen auf dem Markt für Fernsehwerbung weiter verstärken würde“. Das teilte die Behörde am Donnerstag mit. Die vom Bundeskartellamt geforderte Offenheit hätte die Qualität des Angebots konterkariert, sagt dazu der RTL-Sprecher. „Die Plattform war von Anfang als ein senderoffenes Angebot zur zeitversetzen Nutzung von linearen und professionell produzierten Inhalten geplant. Erst am Ende der Gespräche hat das Amt die Erweiterung des Angebots ins Unendliche verlangt.“

Gemeinsam wollten RTL/Sat1 eine werbefinanzierte Plattform betreiben, auf der Nutzer kostenlos Nachrichten, Serien, Filme und Shows abrufen können – bis zu sieben Tage nach der TV-Ausstrahlung. Andere Sender, auch ARD und ZDF, sollten sich beteiligen können. Anders als das US-Vorbild Hulu, dessen Expansion nach Europa neuen Antrieb bekommen könnte, sollte die deutsche Plattform keine Bezahlangebote enthalten. Das Kartellamt hat den Sendern Zeit für eine Stellungnahme gegeben. Die Frist für eine abschließende Entscheidung läuft bis zum 21. März. „Wir werden eingehend Stellung beziehen und warten die finale Entscheidung des Amtes ab“, sagte der RTL-Sprecher. Man behalte sich vor, diese gerichtlich überprüfen zu lassen. meh