Medien : „OP-Shows: Hobbythek des Jahres 2004“

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Herr Lück, auf Pro 7 läuft am 9. Oktober Ihre Sendung „Die 100 nervigsten Fernsehserien“. Wo würden Sie die RTLSchönheitsserie „Beauty Queen“, die heute startet, in diesem Ranking einordnen?

Was ich bisher über diese Sendung gehört habe – alle Achtung! Carsten Spengemann soll in einer Szene Sex mit einer am Gesicht operierten Frau haben, der dabei ihre Gesichtsmaske platzt. Das ist mehr, als wir 2001 in „Der Doc – Schönheit ist machbar“ darstellen konnten.

Warum soll der Zuschauer das ansehen?

Darin entdeckt er neue Möglichkeiten, sich auf den Tod vorzubereiten. Darauf, dass Körperfunktionen versagen, und auf das Dahinsiechen. Das mit dem schönen Dekolleté einer Lernschwester oder mit dem bewundernswerten Körper von Carsten Spengemann zu verbinden, ist doch wunderbar.

Wie fanden Sie die Schnippel-Shows, die bisher im Fernsehen liefen?

Das Fernsehen postuliert dadurch seine eigene Wahrheit, und darauf muss man sich einlassen. Die Menschen, die man täglich in den Talkshows sieht, sind ja auch nicht wirklich wahr. Wenn es die gäbe wie bei Oliver Geißen oder „Vera am Mittag“, würden wir es gar nicht mehr aushalten. Es gibt im normalen Leben eben nicht so lustige Menschen wie Stefan Raab und so schöne Frauen wie Anke Engelke. Deshalb wird mit solchen OP-Shows auch eine neue Wahrheit geschaffen. Letztlich ist das vielleicht die Fortführung der „Hobbythek“ von Jean Pütz ins Jahr 2004.

Ist diese Art Fernsehen schön?

Dadurch, dass das Fernsehen damit seine eigene Wahrheit aufbaut, die mit dem wirklichen Leben nichts zu tun hat, ist dieses Fernsehen schön. Eben, weil man es messen kann. Die Oliver-Geißen-Show ist schön, weil sie hohe Quoten hat. Also: Schönheit ist nicht nur machbar, sondern auch messbar.

Das Gespräch führten Till Frommann und Stefan Schweiger.

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