Medien : Opa Intendant

Das Methusalem-Komplott der ARD Eine

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von Joachim Huber

Ein schönes, wenn nicht sogar das schönste Amt in Deutschland ist das Intendantenamt im öffentlich-rechtlichen Rundfunk: Büroflucht in der Beletage, Dienstwagen mit Chauffeur, Ehrenämter, Freikarten, Professorentitel ehrenhalber, auf Du mit dem Landesfürsten. Der Unterschied zwischen einem absoluten Fürsten und einem öffentlich-rechtlichen Intendanten besteht allein darin, dass die Senderchefs von ARD und ZDF sich zwischendurch, in der Regel alle fünf Jahre, bestätigen lassen müssen. Das kann nur durch Ungeschicklichkeit vermasselt werden. Deutsche Rundfunkintendanten sind aber nicht ungeschickt!

Von Wiederwahl zu Wiederwahl wächst die Überzeugung von der eigenen Unentbehrlichkeit. Wer unentbehrlich ist, der muss nicht an seine Nachfolge denken und darf auch niemanden sonst daran denken lassen. Einmal ins Amt gehoben, verfolgt der Senderfürst stante pede zwei Ziele: alle Blicke auf mich und kein Auge für irgendwelche Jungspunde. Vor dem Momentum der Wiederwahl zittert nicht der Amtsinhaber, es zittert das Wahlvolk aus Rundfunk- und Fernsehrat. Er wird doch wieder wollen?, fragen sie sich bänglich. Keine Sorge, der gemeine deutsche Rundfunkintendant will immer wieder.

Am Ende ihrer jetzigen Amtszeit sind folgende Senderchefs so alt: Fritz Raff vom Saarländischen Rundfunk – 64, Heinz Glässgen von Radio Bremen – 65, Udo Reiter vom MDR – 65, Peter Voss vom SWR – 67, ARD-Programmdirektor Günter Struve – 67, Ernst Elitz vom Deutschlandradio – 68, Thomas Gruber vom BR – 68, Jobst Plog vom NDR – 68, Fritz Pleitgen vom WDR – 69. Und ob einer wirklich aufhören will? Fritz Pleitgen steht für eine Bestätigung als WDR-Chef zur Verfügung, nicht ausgeschlossen, dass er den Sender erst mit 75 verlässt.

In allen öffentlich-rechtlichen Sendern wird gejammert, dass das Publikum zu alt sei, ganz dringend müsse eine Verjüngung her. Ein Blick in die Statistik zeigt: Alle genannten Intendanten sind älter als die Durchschnittszuschauer von ARD, ZDF und ARD-Dritten. Wenn Opa aber selbst Intendant ist, warum sollen sich die bei Hofe Beschäftigten an ein junges Programm heranwagen? Opa Intendant sieht erst mit den Enkeln „Die Sendung mit der Maus“ und dann den „Presseclub“. Was die Enkel mögen, mag Opa, was Opa gerne sieht, wird gesendet. Denn Opa ist ja Intendant.

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