Optimistisch : Blatt-Gold

Warren Buffett ist für gewinnbringende Investments bekannt. Nun investiert er wieder - in US-Zeitungen.

Das Gespür von Warren Buffett für gewinnbringende Investments ist legendär. Foto: dpa
Das Gespür von Warren Buffett für gewinnbringende Investments ist legendär. Foto: dpaFoto: dpa

Warren Buffett geht gerne auf Einkaufstour. Aber dass der legendäre Finanzmogul aus dem US-Bundesstaat Nebraska jetzt wieder Anteile an Tageszeitungen aufkauft, hat in der von schlechten Nachrichten geplagten Branche aufhorchen lassen. Für 142 Millionen Dollar übernahm Buffetts Investmentholding Berkshire Hathaway auf einen Schlag 63 Tages- und Wochentitel im Süden der Vereinigten Staaten. Der 81-jährige Multimilliardär schmiedet sich damit ein regelrechtes Zeitungsimperium – die Untergangsszenarien, die in vielen Verlagen zirkulieren, schrecken ihn nicht ab. Er glaubt an eine gute Zukunft für lokale Blätter.

Mit seiner Prognose steht Buffett derzeit allerdings einsam in einer scheinbar unaufhaltsam schrumpfenden Zeitungslandschaft. Anfang Juni dieses Jahres hatten einige der bedeutsamen Tageszeitungen im Süden des Landes angekündigt, nur noch drei Mal in der Woche mit gedruckten Ausgaben ihre Kunden zu bedienen.Darunter ist auch die traditionsreiche, 175 Jahre alte „Times-Picayune“ in New Orleans. Die Jazz-Metropole wäre damit die erste Großstadt der USA ohne eine echte Tageszeitung. Der Eigentümer des Blattes, der ansonsten vor allem mit Hochglanzmagazinen wie „Vanity Fair“ erfolgreiche Medienkonzern Advanche, hatte zuvor bereits in anderen Landesteilen seine Tageszeitungen auf einige wenige gedruckte Ausgaben in der Woche gestutzt oder ganz eingestellt.

Der Vorstandsvorsitzende Steven Newhouse bleibt trotz vielfältiger Proteste eisern. Die Entscheidung sei endgültig, weil das Betriebsergebnis „uns zwang, eine sehr schwierige Entscheidung zu treffen“. Bisherige Abonnenten wurden auf das Online-Angebot verwiesen. Die „Times-Picayune“ aus New Orleans gehörte, was ihre Reichweite betrifft, noch zu den erfolgreichsten Zeitungen des Landes. Sie wurde von immerhin zwei Dritteln der erwachsenen Bevölkerung der Stadt genutzt – allerdings sind in dieser Zählung auch die immer zahlreicheren Online-Kunden enthalten.

Der Erfolg beim Leser entscheidet weniger über das Schicksal der US-Tageszeitungen als vielmehr die Werbeeinnahmen. Über die vergangenen 20 Jahre ist jede achte der an Werktagen erscheinenden Zeitungen vom Markt verschwunden. Zusammengezählt hat sich die Auflage der Blätter um fast 20 Millionen auf gerade noch 40 Millionen verringert. Die Sonntagszeitungen schnitten etwas besser ab, aber auch sie verzeichneten Verluste bei der bezahlten Auflage.

Was also bewegt Warren Buffett angesichts dieser Entwicklung zu seinen Investitionen in diese Branche? Das „Orakel von Omaha“, wie der wohl erfolgreichste Investor der modernen Geschichte gerne genannt wird, handelt keineswegs aus einer spontanen Laune heraus. Er hat vor einigen Jahrzehnten der wichtigsten Zeitung der US-Hauptstadt, der „Washington Post“, aus einer finanziellen Notlage geholfen und dabei gutes Geld verdient. Er glaubt an ihre Zukunft, und er sieht in der immer noch beeindruckenden Zahl von 1400 Blättern die Chance für erfolgreiche Veränderungen. „Das Schöne an dieser Branche ist, dass einer die beste Antwort findet und wir alle sie nachahmen können“, meint er.

Tatsächlich ist es einigen US-Regionalzeitungen in den letzten Jahren gelungen, mit Druck- und Online-Angeboten wieder mehr Kunden zu gewinnen. Darauf setzt auch Buffett. Abseits der großen Stadtzentren bleiben aus seiner Sicht Zeitungen unverzichtbar. „Bei uns will man wissen, wer gerade geheiratet hat.Und vielleicht ist man noch neugieriger darauf, wer sich scheiden lässt“, sagt der Milliardär, der weiterhin in Nebraska in dem bescheidenen Haus lebt, das er 1957 für 31 500 Dollar kaufte.

Es wäre nicht das erste Mal, dass sich der Investment-Gigant erfolgreich auf die Medienbranche einlässt. Bereits 1977 kaufte er die „Buffalo News“, eine damals defizitäre Tageszeitung. Inzwischen gilt das Blatt als Musterbeispiel dafür, dass mit gutem Journalismus auch gutes Geld zu verdienen ist. sop/dapd

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