Medien : ORB/SFB-Fusion: Berlin wird nicht verbrandenburgt!

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Fritz Pleitgen, 63, ist Intendant des Westdeutschen Rundfunks und ARD-Vorsitzender.

ORB und SFB haben sich zur Fusion verabredet. Wo und wie kann die ARD sekundieren?

Für die ARD ist es wichtig, im Raum Berlin/Brandenburg stark zu sein. Hier befindet sich schließlich die Hauptstadt. Wir befürworten deshalb ein Zusammengehen und sind sicher, dass Berlin und Brandenburg bestens zusammenpassen. Bei dem Potenzial, das in den beiden Sendern steckt, müsste ein gutes Ergebnis herauskommen. Unsere Erwartung und Hoffnung ist, dass sich ein vereinter Sender noch wirkungsvoller ins Erste einbringen kann als bisher.

Wie viel Potenzial sehen Sie?

Der WDR hat vielfältige Verbindungen sowohl zum SFB als auch zum ORB. Ich selbst war Korrespondent in Ost-Berlin, als das ARD-Studio dort gemeinsam von SFB, WDR und NDR betrieben wurde. Mit dem damaligen Chefredakteur des SFB, Jürgen Engert, habe ich während der Wende meine wichtigsten Sendungen gemacht. Den jetzigen ORB-Intendanten, Hansjürgen Rosenbauer, kenne ich noch aus den gemeinsamen Jahren beim WDR. Mein Sender hat sich stark an Radio Fritz orientiert, als beim WDR-Hörfunk Eins live eingeführt wurde. Ich weiß schon, was in diesen Sendern steckt.

ORB und SFB sind natürliche Partner?

Es wäre doch ein Aberwitz, hier noch Grenzen zu behaupten. Wenn es die noch gibt, dann muss eine gemeinsame Anstalt sie überwinden helfen. Nehmen Sie das Beispiel NRW. Nordrhein-Westfalen ist ein Kunstland. Nordrhein und Westfalen sind von der Geschichte her weiter auseinander als Berlin und Brandenburg. NRW ist ein sehr heterogenes Gebilde, das vor allem durch seinen öffentlich-rechtlichen Sender WDR zusammengehalten wird. Rheinland, Ruhrgebiet, Westfalen, Lippe - das sind Identitäten, die im Programm zu wahren sind.

Nun werden hier immer die Unterschiede zwischen dem Land Brandenburg und der Metropole Berlin betont.

Auch für den angeblichen Antagonismus von Stadt und Land, also von Berlin und Brandenburg, gilt das Beispiel von NRW: eine dichte Metropolen-Landschaft, drumherum weite ländliche Gebiete. Das ist doch der Reiz an der Sache: Die Brandenburger wollen nicht von den Berlinern untergebuttert, die Berliner ihrerseits nicht "verbrandenburgt" werden. Die gleiche Situation haben wir in Nordrhein-Westfalen, daran muss nichts scheitern. Im Gegenteil: Das gibt dem Programm interessante Impulse. Durch einen gemeinsamen Sender aus ORB und SFB entstünde für ein gemeinsames Bundesland Berlin/Brandenburg eine kulturelle und politische Unterstützung, die jetzt noch gar nicht erkannt wird.

Ist ein fusionierter Sender sogleich stärker als zwei Einzelanstalten?

Das kommt auf die Konstruktion an. Der vereinte Sender käme an den HR heran, und der HR spielt in der ARD eine beachtliche Rolle.

Aber der eigentliche Auftrag heißt Programm.

Natürlich, ein vereinter Sender kann schön abgestimmte Programme machen. Das können zwei nebeneinander laufende Programme doch gar nicht schaffen, da muss es doch Parallelstrukturen geben. Bei einer Fusion werden mit Sicherheit Ressourcen für größere Produktionen frei.

Da werden manche nach verstärkter Alimentation durch die ARD rufen .

Was hier von beiden Sendern geschaffen werden soll, ist eine unabhängige und effektive Rundfunkanstalt. Der geringe Finanzausgleich, wie ihn der SFB noch bekommt, wird auf Dauer nicht die Rettung sein. Außerdem geht der ARD-Finanzausgleich auf Wunsch der Politiker mehr und mehr seinem Ende entgegen. Eine Verstärkung sehe ich nicht. Die Ministerpräsidenten-Runde ist auf einem entgegengesetzten Trip.

Nun fallen Fusionen nicht vom Himmel, die wollen erkämpft sein.

Es wird bestimmt zu Reibungen kommen. Wenn man selbstbewusst ist, dann steht man dazu, was man bisher gemacht hat, und zu seinen Vorstellungen. Aber das Beispiel Südwestrundfunk hat gezeigt, dass Unmögliches möglich ist. Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg, da waren zwei Ministerpräsidenten, der eine SPD, der andere CDU, die haben das gewollt. Da waren zwei Parlamente, die haben das gewollt. Dann waren da vor allem zwei Intendanten, die haben das gewollt. Hier sehe ich viele Parallelen. Dabei kann ich allen Beteiligten nur raten, das Verfahren von Anfang an transparent zu machen, die Basis immer miteinzubeziehen, soviel wie möglich plenar zu diskutieren.

Müssen die Gespräche zwischen SFB-Chef Schättle und ORB-Intendant Rosenbauer moderiert werden - zum Beispiel von Bernd Schiphorst, dem Medienbeauftragten für Berlin und Brandenburg?

Ich weiß nicht, warum Rosenbauer und Schättle einen Moderator brauchen sollten. Die beiden kennen sich doch sehr gut und sind erfahrene Rundfunk-Manager. Ich will Schiphorst nicht den Rang ablaufen, aber wenn es eine Unterstützung geben sollte, dann am ehesten von ARD-Seite. Klar ist, dass die beiden Rundfunkräte und Parlamente ganz wesentliche Rollen spielen.

Bei Ihrem Optimismus muss der Sendestart der gemeinsamen Anstalt spätestens am 1. Januar 2004 erfolgen.

Ich wüsste nicht, was dagegen spricht. Sollte es etwas länger dauern, ist das auch kein Beinbruch. Gut Ding will Weile haben. Aber nicht zu lange! Kleinkarierte Vorstellungen sollten nicht für ein Scheitern sorgen.

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