Medien : Pädagogik in Bayern: Der Maus-Frei-Staat

"Didaktisch", meint das bayerische Kultusministerium, macht das "keinen Sinn" und untersagte Schulkindern in München die Teilnahme an den Dreharbeiten zum Geburtstagsfilm der "Sendung mit der Maus". Zwei ganze Schulstunden hätten ausfallen müssen. Und das konnte das Ministerium nicht vertreten, berichtete wie WDR-Kinderprogrammchef Sigmund Grewenig der "Funkkorrespondenz".

Anders in Köln, in fünf weiteren Städten und gestern in Berlin. In den Schulen der Hauptstadt macht zwar vieles didaktisch keinen Sinn, aber für den Dreh am Mittwoch morgen durften sich Hunderte von Kindern vor dem Reichstag versammeln. Hauptdarsteller der "Maus"-Sondersendung sind rund 10 000 Kinder aus ganz Deutschland. Nur Kinder aus Bayern werden fehlen, der bayerischen Sonder-Didaktik wegen. Dabei kann so ein Dreh Spannendes, vielleicht medienpädagogisch Wertvolles über die heutige Fernsehproduktion vermitteln. Interesse darf vorausgesetzt werden - andernfalls wären die Zuschauerränge in den Fernsehstudios von Kirch & Co. vor den Toren Münchens nicht so dicht mit Kindern und Jugendlichen besetzt.

Am 18. März läuft die Sonderausgabe zum 30. Geburtstag der "Sendung mit der Maus" in der ARD. Zweifellos werden auch Kinder in Bayern einschalten. Oder wird sich der Bayerische Rundfunk vorher ausschalten? Erfahrung mit der Schwarzblende ist vorhanden. Mal wurde das erwachsene Publikum im Freistaat - aus Gründen der Polit-Didaktik - vom "Scheibenwischer", mal von einer Ökologie-Sendung des Westdeutschen Rundfunks aus Köln verschont.

Jetzt droht die Maus. Gerade hat sie wieder einen Star-Auftritt absolviert, als sie beim 70. Geburtstag von Bundespräsident Johannes Rau im Schloss Bellevue vorbeischaute. Das Staatsoberhaupt war entzückt. Aber auch Johannes Rau kommt aus Nordrhein-Westfalen.

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