Pädophilen-TV : Tatort Internet: RTL 2 leistet Amtshilfe

Erst filmen, dann bis zur Ausstrahlung verheimlichen? RTL 2 macht damit Schluss. Filmaufnahmen, die mutmaßliche Kinderschänder zeigen, werden an die Behörden weitergegeben.

RTL 2 zieht aus dem Fall „Goldenes Kinderdorf“ in Würzburg Konsequenzen. Der Privatsender will künftig Arbeitgeber benachrichtigen, wenn mutmaßliche Täter, die „in ihren Arbeitsverhältnissen mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben“, von der RTL-2-Sendung „Tatort Internet“ beim Anbaggern von Minderjährigen im Netz erwischt werden, hieß es in einer Mitteilung am Montag. Der Sender reagierte damit auf Vorwürfe des Dachverbandes Caritas, der die Macher des Magazins gerügt hatte, fünf Monate lang die Informationen über die Aktivitäten des Heimleiters „Goldenes Kinderdorf“ für sich behalten zu haben. Der Fall war am vergangenen Montag Thema. RTL 2 wollte nicht mitteilen, ob und wann die Caritas das erste Mal informiert worden war. Tatsächlich hatte ein Mitarbeiter eines anderen Kinderdorfs den Mann in der Sendung identifiziert und gemeldet. RTL 2 hatte zunächst argumentiert, man habe auf die Persönlichkeitsrechte des mutmaßlichen Kinderschänders Rücksicht nehmen müssen. Künftig aber würden vier Tage vor Ausstrahlung Kopien der Sendung an die Strafverfolgungsbehörden weitergegeben. „Die Polizei und Staatsanwaltschaft entscheidet dann, ob und wie sie ermittelt“. teilte RTL 2 mit. Der mittlerweile entlassene Leiter des „Kinderdorfs“ wollte nach Recherchen von „Tatort Internet“ online mit einer 13-Jährigen Kontakt aufnehmen und ging dabei dem TV-Team in die Falle. Die späte Information darüber wurde von Caritas kritisiert: „Sofortiges Eingreifen ist uns wichtig, um Gefährdungen für Kinder oder Jugendliche auszuschließen.“

Die Staatsanwaltschaft leitete ein Ermittlungsverfahren gegen den 61 Jahre alten Leiter des „Goldenen Kinderdorfs“ ein. Der Mann gilt seit der Sendung als vermisst. „Tatort Internet“ wird unter anderem von Stephanie zu Guttenberg, Ehefrau des Bundesverteidigungsministers, präsentiert. Sie ist Präsidentin des Vereins „Innocence in Danger“, der sich in der Prävention von sexuellem Missbrauch von Kindern engagiert. Eine Stellungnahme zum aktuellen Fall lehnte die Organisation am Montag ab. jbh

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