Medien : Palast der Republik: Vom Prestigeobjekt zur offenen Frage

Gunnar Decker

Die "Initiative zur Rettung des Palastes der Republik" hat sich auf dem öden Platz vor der Palast-Ruine postiert. Frührentner und Hausfrauen halten Schilder hoch, auf einem steht "Ich war Erbauer und Finanzier". Ein junger Mann mit Bierbüchse in der Hand geht vorbei und spuckt aus: "Ihr Scheiß Roten!" Nein, der Palast-Streit ist alles andere als eine akademische Architekturdebatte. Der Palast ist ein Symbol.

Was war das eigentlich für ein Haus, fragten sich Thomas Beutelschmidt und Julia M. Novak für ihre Dokumentation "Ein Palast und seine Republik" (Arte, 20 Uhr 45). Und stiegen dafür tief in die Archive hinab. Der Zuschauer lernt zum Beispiel die "Brigade Schaller" kennen, die mit Bestarbeiterfleiß 750 Tonnen Asbest für den Brandschutz in alle denkbaren Palast-Ecken spritzte. 1976, nur drei Jahre nach dem Baubeschluss durch das Politbüro der SED, wurde das Haus eröffnet. Der Palast der Republik war ein Spiegel der offiziellen DDR, so wie sie sich gern sehen wollte. Ein enges Paradies bestellten Frohsinns, wo man in unbequemen Geistern immer nur böswillige Spielverderber sehen konnte.

Thomas Beutelschmidt und Julia M. Novak ließen sich dennoch sichtlich faszinieren von den Requisiten aus "Honeckers Lampenladen". Eine Stunde lang rekonstruieren sie minutiös die Geschichte des "Marx-Engels-Platzes". Viele der alten Bilddokumente wirken im Rückblick unfreiwillig komisch. Beinahe aufatmend registriert der Ostdeutsche dabei, dass der ARD-Korrespondent vor dem Palast da keine Ausnahme macht.

60 Millionen Besucher in knapp 15 Jahren. Das hat Identifikationen gestiftet, die unterschwellig fortwirken. Tatsächlich wäre es fatal, wenn nun dieses seit dem September 1990 geschlossene Haus - und damit das aussagestärkste Symbol für die Honecker-DDR - gänzlich geschleift würde.

Und warum sollte man eigentlich nicht - jenseits des bornierten "Kulturkampfes" Stadtschloss gegen Palast - die Idee eines "offenen Bürgerpalastes" neu bedenken? Dann jedoch gänzlich frei von DDR-Folklore.

0 Kommentare

Neuester Kommentar