Medien : Pan Tau

Uta-Maria Heim

Er hatte so ein grashalmfeines Katzenlächeln. Damit verbreitete er eine subversive anarchistische Melancholie, die zu seinem überkorrekten Anzug absolut gar nicht passen wollte. Mit seinem Regenschirm balancierte Pan Tau alle Schwierigkeiten aus, ein zauberisches Fingerklimpern auf der Melone ließ ihn bleistiftklein werden. Nach „Pippi Langstrumpf" war „Pan Tau" (im DDR-Fernsehen: „Herr Tau") die beliebteste Kinderserie der 70er Jahre. Ota Hofman und Jindrich Polak drehten 34 Folgen als Koproduktion des tschechischen Fernsehens mit dem Westdeutschen Rundfunk. Otto Simanek (1925-1992) spielte Pan Tau. Über letzteren ist seitdem viel philosophiert worden. Manche entdecken in ihm den gefährlichen Typus eines metaphysisch überhöhten Kinderklauers, andere einen milden Psychopathen, wieder andere den Rosenkavalier des Prager Frühlings.

Pan Tau ist stumm. Erst in den späten Folgen lernt er nach und nach sprechen. Hängt das mit dem Aufkeimen der tschechischen Bürgerrechtsgruppe „Charta 77" zusammen? Oder mit dem hiesigen Siegeszug der emanzipatorischen Erziehung? Tja. Pan Taus spätes Stammeln bleibt leider unkommentiert. Doch es macht ihn immerhin zu einem aufklärerischen Vorläufer der statischen „Teletubbies".

Wenn er enttäuscht ist, sagt Pan Tau „Bimbo". Das ist sein erstes Wort. Der Sprachmotor ist damit die Frustration. Der Rest der Gefühle lässt sich unbeirrt durch „Knöknö" ausdrücken. Infantile Äußerungen wie „Makkaroni", „Karussell" und „Emma hat Mama" hingegen werden durchkreuzt durch das nachhaltig betonte Abstraktum „Sehnsucht". Da tun sich plötzlich Bereiche auf, die herausführen aus dem Kinderzimmer. Es dreht sich um das objektiv Begrenzte unserer zwangsläufig scheiternden Existenz. „So geht es", sagt Pan Tau zum Schluss im Hinblick auf das Unüberwindliche. „Ich weiß es. Der höchste Berg der Welt ist der Mount Everest."

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