Pannenserie : Upps! Die Tagesschau

Das Grundvertrauen in die glaubwürdigste Nachrichtensendung im deutschen Fernsehen ist angeknackst. Wie viele Malheurs mögen neben den sichtbaren und hörbaren noch drinstecken?

Ein Kommentar von Joachim Huber

Das Auge sah, was das Ohr nicht hörte. Jan Hofer las zum Start der „Tagesschau“ am Dienstag um 20 Uhr wacker die Nachricht vom ersten Video aus dem US-Gefangenenlager Guantanamo vor – indes in der links eingeblendeten Grafik ein Ein-Euro-Stück mit dem Schriftzug „Euro auf Rekordhoch“ zwinkerte. Dann verschwand die Grafik, der Filmbeitrag zum Guantanamo-Video startete, während Hofer irritiert seine Blätter neu sortierte. Der „Euro auf Rekordhoch“ tauchte im Lauf der Sendung wieder auf. „Tagesschau“, „Tagesthemen“, keine Woche vergeht mittlerweile ohne kleinere oder größere Panne. Meist ist es eine Grafik, die nicht stimmt, am 9. Juli gerieten Filme, Texte, kurz die komplette „Tagesschau“ in kolossale Unordnung. Kai Gniffke, Chefredakteur von ARD-aktuell, sagt, „wir haben Mist an den Hacken“. Anders gesagt: Die Nachrichten der ARD sind zum „Fehler-Suchspiel“ mutiert. Vielleicht sollte der Zuschauer sich „Tagesschau“ und „Tagesthemen“ erst 24 Stunden nach der Erstausstrahlung anschauen, denn für die Online-Wiederholung sind die gröbsten Fehlgriffe sorgfältig getilgt worden. Da wird aus Falschem Richtiges gemacht, früher hätte man das Manipulation genannt, jetzt, in Zeiten unbegrenzter technischer Möglichkeiten, heißt das Korrektur oder so.

Das Grundvertrauen in die glaubwürdigste Nachrichtensendung im deutschen Fernsehen ist angeknackst. Wie viele Malheurs mögen neben den sichtbaren und hörbaren noch drinstecken? Gut, als Fernsehkritiker schaut und hört man vielleicht noch etwas genauer hin, aber die Konzentration hat sich merkwürdig verschoben. Ungewollt läuft neben den Nachrichten ein Prüfprogramm ab, quasi die Fortsetzung vom Jörg-Pilawa-Quiz: Stimmt’s oder stimmt’s nicht? Jan Hofer präsentiert statt „Tagesschau“ jetzt „Upps! Die Pannenschau“. Ist eigentlich ein Kracher im Privatfernsehen. Und wehe, wenn Stefan Raab erst wieder einschaltet.

Jedes Medium produziert Fehler. Was aber, wenn sich beim Nutzer das Gefühl einschleicht, der Fehler gehöre zum System, passiert halt, wurschtegal, Schwamm drüber? Lange galt das Diktum: Bei „RTL aktuell“ holt man sich die ersten Nachrichten des Abends, bei der „Tagesschau“ um 20 Uhr schaut man nach, ob sie stimmen. Vorbei.

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