Paparazzi-Film : Jäger der verbotenen Bilder

Paris Hiltons Tränen, Prinz Harrys Eskapaden – die Welt ist voller versteckter lukrativer Bilder. Dabei sind die Methoden der Paparazzi zweifelhaft.

Thomas Gehringer
Paparazzi
Foto: ddp

Paris Hiltons Tränen, Prinz Harrys Eskapaden - die Welt ist voller versteckter Bilder, mit denen sich gutes Geld verdienen lässt. Dabei sind die Methoden der Paparazzi zweifelhaft. "Prominente abschießen" lautet im zynischen Branchenjargon der Job. Vor zehn Jahren starben Lady Diana und ihr Freund Dodi el Fayed in Paris. Dem von einem betrunkenen Fahrer gesteuerten Unfallwagen folgten Paparazzi auf Motorrädern. Der Vorwurf, sie hätten das berühmte Paar zu Tode gehetzt, ließ sich allerdings nicht erhärten. Unterdessen wurde der Schutz der Privatsphäre von Prominenten im Jahr 2004 durch das sogenannte Caroline-Urteil des Europäischen Gerichtshofs gestärkt. Eine begehrte Ware bleiben die Fotos der Paparazzi dennoch.

"Die Wahrheit ist das beste Bild"

"Die Wahrheit ist das beste Bild", zitiert einer der Protagonisten in dem ARD-Film "Paparazzo" den legendären Fotografen Robert Capa, der freilich alles andere war als ein Paparazzo. Schon vor zehn Jahren lagen beim WDR die Pläne für einen Fernseh-Zweiteiler über die aufdringlichen Bilder-Jäger auf dem Tisch. Am Wochenende hatte "Paparazzo" beim Festival "Großes Fernsehen" vor dem Medienforum NRW in Köln endlich seine Uraufführung, Anfang August wird er im Ersten Programm ausgestrahlt. Der Inhalt: Zwei junge, ziemlich skrupellose Fotografen spüren eine seit Jahren verschwundene, berühmte Schauspielerin auf. Einer der beiden dringt gar in eine Villa ein und bekommt eine schockierende Sexszene vor die Linse. Er misstraut seinen Bildern, die sich zudem als gefährliches Material erweisen. "Paparazzo" ist modernes Fernsehen, rauer Krimi und intensives Drama im Rhythmus cooler Musik, ein Bilderrätsel und eine Liebesgeschichte (mit einigen Längen). Cannes, New York, Mallorca sind die zum Teil faszinierend fotografierten Schauplätze. Besonders die glamouröse Scheinwelt der Filmfestspiele in Cannes wird elegant integriert. Interessant wird der 3,5 Millionen Euro teure Zweiteiler außerdem durch die weniger prominente Besetzung: Neben den beiden jungen Darstellern David Rott und Sascha Göpel wirkt in der weiblichen Hauptrolle der polnische Star Agata Buzek mit.

David Rott kam zur Premiere in einem T-Shirt, das mit einer Fotofälschung bedruckt war: Es zeigte eine barbusige Lady Di und den freundlich lächelnden Prinz Charles. Dabei ist David Rott kein Freund von Paparazzo-Methoden. Zur Vorbereitung auf den Film sollten er und sein Kollege als "Hausaufgabe" Promifotos schießen, woraufhin sich Rott in ein Café gesetzt und gewartet habe, bis David Beckham vorbeikomme, erzählte Göpel belustigt. Das war natürlich nicht der Grund, warum es der Film auf eine derart lange Produktionszeit gebracht hat. Erst einmal benötigte der akribische Drehbuchautor Matthias Seelig ("Theo gegen den Rest der Welt", "Der Sandmann", "Der letzte Kurier") ausgiebig Zeit, zumal er gleichzeitig als Produzent tätig ist. Am Ende verzögerte ein Rechtsstreit die Ausstrahlung: Über die Schnittfassung gerieten sich Auftraggeber WDR, die Kölner Produktionsfirma Müller&Seelig sowie die Regie in die Haare. Nun wird Alan Smithee als fiktiver Regisseur angegeben - ein in Hollywood gebräuchliches Verfahren, wenn die eigentlichen Regisseure nicht mehr hinter der Endfassung des Films stehen.

Und die Sache mit der Wahrheit? Bildern ist in dieser Welt voller Inszenierungen und Manipulationen weniger denn je zu trauen. "Es gibt hier nichts zu wissen, es gibt hier nur etwas zu sehen", behauptet der Mittelsmann der Paparazzi. Aber das ist - wenigstens im Film - nicht wahr: Am Ende lohnte es sich doch, die Wahrheit hinter den Bildern zu suchen.

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