Medien : Paparazzi und Presserummel

Tom Peuckert

verrät, was Sie nicht verpassen sollten Damit das Berühmtsein nicht nur ein Vergnügen ist, hat der liebe Gott den Paparazzo erfunden. Ein Agent niederer Bewusstseinstriebe, ein Spitzel mit demokratischer Legitimation. Der Deutsch- Amerikaner Hans Paul, Hauptfigur in Rosvita Krausz ’ Feature „Blattschuss“, ist Paparazzo im kalifornischen Malibu. Eine Gegend mit hoher Prominentendichte, wo die Treibjagd aufs namhafte Personal nie Pause hat. Für die Pirsch stehen Paul ein Arsenal verschiedenster Kameras, aber auch ein Leichtflugzeug und eine als Campingbus getarnte Beobachtungszentrale zur Verfügung. 50 000 Dollar für ein wirklich spektakuläres Foto sind hier keine Seltenheit. Innenansichten eines sumpfigen Gewerbes (Deutschlandradio, 8. Dezember, 19 Uhr 05, UKW 89,6 MHz).

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Jazzfreunde mit konservativer Neigung sollten sich die Aufzeichnung eines Konzerts aus der Berliner Philharmonie nicht entgehen lassen. Zur Verleihung der alternativen Nobelpreise musizierten „The Berlin Philharmonic Jazz Group“ und der Bariton Thomas Quasthoff. Kompositionen von Gershwin, Erroll Garner, Horace Silver, Herbie Hancock (Deutschlandradio, 9. Dezember, 20 Uhr 03).

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Ein ähnliches Publikum dürfte die von Christian Blees veranstaltete „Lange Nacht über Glenn Miller“ interessieren. Wer auch schon mal „In the Mood“ vor sich hingesummt hat und nun mehr davon will, ist bei Blees an der richtigen Adresse. Miller als begnadeter Arrangeur, der einen Ohrwurm nach dem anderen schuf und für „Chattanooga Choo Choo“ die erste Goldene Schallplatte der Musikgeschichte bekam. Miller als Patriot, der während des 2. Weltkriegs sein erfolgreiches Orchester auflöste und in die Armee eintrat. Bis der Nebel über dem Ärmelkanal im Dezember 1944 sein Flugzeug verschluckte (Deutschlandfunk, 11. Dezember, ab 23 Uhr 05, UKW 97,7 MHz).

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Auch Philologen sind nur Menschen. Sie sind stolz auf ihre Leistungen und haben gern das letzte Wort. Wenn man ihnen den Respekt verweigert, ziehen sie in den Krieg. Michael Lisseks Feature „Zwettls Traum“ berichtet von einer Schlacht, die sich unlängst Experten des Mittelhochdeutschen geliefert haben. Es geht um handschriftliche Fragmente des Nibelungenliedes, endeckt von einer Archivarin im österreichischen Zisterzienserstift Zwettl. Eine Sensation, die gehörigen Presserummel auslöste. Aber die akademische Kritik ließ nicht lange auf sich warten. Eine Archivarin ohne höhere universitäre Würden wollte weltbewegende Entdeckungen gemacht haben. Die Professoren hatten dafür nur Skepsis und Spott. Die Archivarin biss respektlos zurück (Kulturradio, 12. Dezember, 14 Uhr 04, UKW 92,4 MHz).

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Im Hörspiel „Der Planet“ stellt Autor Jewgenij Grischkowez seine Hauptfigur ans Fenster. Ein einsamer Mann in der nächtlichen Großstadt. Am erleuchteten Fenster gegenüber steht eine schöne Frau, die ausgiebig telefoniert. Der Mann beobachtet sie. Im furiosen Monolog träumt er von einer unerhörten Begegnung. All seine Sehnsüchte wirft er auf dieses unbekannte Wesen. Die ganze Welt macht er jetzt mit dem Kopf unsicher. Ein Stück über die Liebe und alle Rasereien, die zu ihr gehören (Deutschlandfunk, 14. Dezember, 20 Uhr 10).

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