Papst-Satire : MTV hält an "Popetown" fest

Trotz anhaltender Proteste will der Musiksender MTV vom 3. Mai an die umstrittene Zeichentrickserie "Popetown" ausstrahlen. Das Erzbistum München und Freising geht nun juristisch gegen MTV vor.

München/Hamburg - Das sagte MTV-Programmdirektor Elmar Giglinger dem Nachrichtenmagazin "Focus". Das Erzbistum München und Freising leitete dagegen nach einer Mitteilung vom Freitag rechtliche Schritte gegen MTV ein. Der Sender solle bis zum 18. April eine Unterlassungsverpflichtungserklärung abgeben.

Das Erzbischöfliche Ordinariat begründete sein Vorgehen damit, dass "eine Verächtlichmachung des katholischen Glaubens nicht zulässig" sei. Die Comicserie verstoße außerdem gegen den im Grundgesetz garantierten Schutz der Glaubensfreiheit. Die Serie erfülle den Straftatbestand der Beschimpfung von Religionsgemeinschaften. Gegen die Ausstrahlung der Serie hatten bereits die Deutsche Bischofskonferenz und das Zentralkomitee der Katholiken protestiert.

Programmdirektor Giglinger sagte dagegen, das Medienkontrollgremium Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) habe der vorab eingereichten Folge der Papst-Satire eine Freigabe für das Tagesprogramm erteilt. "Von Blasphemie kann also keine Rede sein", so Giglinger. Die Produktion der englischen Rundfunkgesellschaft BBC beschreibt laut MTV satirisch die fiktiven Erlebnisse von Pater Nicholas im Vatikanstaat.

In den vergangenen Tagen hatte die Serie vor allem unter Katholiken für Empörung gesorgt. Nach einer Beanstandung des Deutschen Werberates verzichtete MTV auf die weitere Verbreitung der umstrittenen "Popetown"-Werbeanzeige mit einem lachenden Jesus nach der Kreuzigung. Der Werberat sah in der Anzeige für die Cartoonserie "eine eklatante Verletzung religiöser Empfindungen". In Großbritannien hatten die Proteste dafür gesorgt, dass die Serie nicht ausgestrahlt wurde, wohl aber als DVD in den Handel kam.

Doch nicht alle Katholiken riefen zum Boykott der Serie auf. Pfarrer Andreas Mauritz, Präses des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), sagte, es sei einerseits unverschämt, mit einer bewussten Kränkung auch vieler junger Christinnen und Christen Geld verdienen zu wollen. Andererseits stärkten Boykottaufrufe lediglich das Interesse an der Sendung. "MTV lebt auch von christlichen Jugendlichen. Wenn der Sender den Cartoon tatsächlich ausstrahlt, wird er deren Reaktion spüren", sagte der BDKJ-Bundesvorsitzende Dirk Tänzler. (tso/dpa)

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