Medien : Paradies Deutschland

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Tom Peuckert verrät, was

Sie nicht verpassen sollten

Früher hatte die Welt noch ihre schöne Ordnung. Man konnte den Sinn des Ganzen in der Bibel nachlesen oder in Marxens „Kapital“. Mittlerweile ist aus unserem Leben ein unscharfes Etwas geworden. Keiner weiß mehr. Rainald Goetz erzählt davon in seinem preisgekrönten Drama „Jeff Koons“ . Im Text gibt es keine deutlichen Figuren und Situationen mehr, nur noch um sich selbst kreisende Sprechakte. Wuchernde Kommunikationen: Hedonistischer Partytalk und wirres Suffpalaver, ergriffenes Liebesgeflüster und hitzige Kunstdebatten. Alles redet wild durcheinander. Die Zeit eines übergeordneten Standpunktes ist vorbei. Weil „Jeff Koons“ unsere Lage irgendwie ganz genau auf den Punkt bringt, ist das Stück zum „Stück des Jahres“ gewählt worden. Im Deutschen Theater kann man zurzeit eine recht schwachbrüstige Inszenierung des Textes sehen. Wer Besseres hören will, dem sei die Radiofassung des Südwestrundfunks empfohlen (15. April, 21 Uhr 03, Kabel UKW 107,85 MHz).

„So ist Afghanistan“ heißt ein Feature von Friedrich Schütze-Quest . Wenigstens einer, der die Sache noch auf den Punkt bringt, möchte man rufen. Schütze-Quest ist ein erfahrener Autor, der fürs Radio schon die hintersten Winkel der Welt bereist hat. Aber natürlich bekommt er in Afghanistan auch nur das zu sehen, was er mit seinen westlichen Augen eben sehen kann: eine Stammesgesellschaft, die irgendwie ans Mittelalter erinnert. Krasse technische Unterentwicklung, empörende Auswüchse des Patriarchats. Schlechte Aussichten für eine Modernisierung nach europäischem Vorbild (Kulturradio, 14. April, 22 Uhr 05, UKW 92,4 MHz).

Und wie ist das Alter wirklich? Unter rein materiellen Gesichtspunkten altert man heute in Deutschland noch immer paradiesisch. Sichere Rente, medizinische Totalversorgung. Wenn aber das Methusalem-Komplott erst ins allgemeine Bewusstsein gedrungen ist, wird alles anders. Bevor die schlimmen Zeiten hereinbrechen, bieten die Autorinnen Judith Lorentz und Sabine Wollowski noch mal eine akustische Momentaufnahme des Alterns im Paradies: „Zu jung, um alt zu sein“ heißt ihr Feature. Intensive Gespräche mit deutschen Ruheständlern: über Verluste und späte Anfänge, Abschiede und verbleibende Leidenschaften (Deutschlandradio, 14. April, 19 Uhr 05, UKW 89,6 MHz).

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